Notarzt:  „Sie sehen aber unentspannt aus.“

Ich: „Ächz.“

Notarzt: „Dann nehmen wir sie wohl besser mal mit.“

Ich: „ Hmpf.“

Notarzt: „Nicht so schön, so eine Nierenkolik. Man sagt ja, das ist quasi der Geburtsschmerz für den Mann. Also so übertragen.“

Herzdame: „Ich bin bei der Geburt aber nicht mit dem Krankenwagen in den Kreißsaal!“

Notarzt: „Ah, sie haben Kinder.“

Herzdame: „Bei der zweiten Geburt bin ich sogar mit dem Fahrrad ins Krankenhaus! Und er fährt jetzt  Krankenwagen? Typisch.“

Notarzt: „Zwei Kinder also.“

Herzdame: „Ja, zwei. Und er hat nur eine Kolik.“

Notarzt: „Wir könnten ihn ja nach Kiel fahren, da hat er länger was davon…..“

Später dann, nachts um drei, ging ich aus dem Krankenhaus wieder nach  Hause, weil dort zu bleiben auch keinen Sinn hatte. Eine sehr ungewöhnliche Uhrzeit für mich, um draußen herumzulaufen. Ich war mit allen Schmerzmitteln vollgepumpt, die der Medizinschrank in der Notaufnahme hergab, ich hatte bergeweise weitere Medikamente dabei, ich konnte nach Stunden endlich wieder gerade gehen. Ein schönes  Gefühl, einfach herumlaufen zu können. Ich stand in dem Park vor dem Krankenhaus, die Nachtluft war frisch und von der Alster wehte leichter Wasserduft herüber, eine wunderbare Nacht.  Vor mir auf dem Weg hoppelte und krabbelte es, ich dachte erst, ich sehe nicht richtig. Da liefen nicht ein oder zwei Kaninchen, da liefen zwanzig, dreißig, wenn nicht mehr. Hoppelten in Grüppchen durcheinander, blieben beieinander kurz hocken, zogen dann wieder weiter, ganz wie Menschen auf einer großen Party, hier ein Smalltalk, dort ein Smalltalk. Sehr entspannte Kaninchen, sie beachteten mich gar nicht. Ab und zu kreuzte eine wuselnde Ratte geschäftig die Szene. Man sagt, auf jeden Großstadtbewohner kommen zehn Ratten, meine zehn habe ich gestern Nacht alle gesehen.  Ich ging durch das tierische Durcheinander, die Kaninchen gingen mir ganz geruhsam aus dem Weg.

Kein Mensch irgendwo zu sehen, auf den großen Straßen nur hin und wieder ein Auto, es war die Stunde, in der fast die ganze Stadt schläft, kaum ein Geräusch zu hören. Ich blieb an einer Ampel stehen, neben mir kam ein Igel aus dem Gebüsch und hielt auch am Straßenrand, keinen Meter von mir entfernt, ganz so, als würde er auf Grün warten.  Ich ging los, schließlich kamen weit und breit keine Autos, der Igel machte ein Geräusch, das verdächtig nach „Ähem!“ klang und blieb demonstrativ sitzen. Ist ja irre, dachte ich, völlig irre, die Viecher können bei Grün über die Ampel gehen, ist ja nicht zu fassen. Der Igel guckte unfreundlich zu mir hoch, wahrscheinlich paßte ihm mein verkehrswidriges Verhalten nicht. Er saß auf seinen Hinterbeinen und wartete ab. Die Ampel wurde grün, ich ging los und sah mich neugierig nach dem Kleinen um, er kam mir tatsächlich nach. Guckte nach links und rechts und krabbelte dann erst brummelnd über die Straße, immerhin vier Spuren. Ich war begeistert, ich freute mich für das kluge Tier, ich freute mich, daß es heil drüben ankommen würde und weil ich viel größere Schritte machte als er, blieb ich am anderen Straßenrand stehen und zu sehen, ob er auch wirklich drüben wieder im nächsten rettenden Gebüsch verschwinden würde. Er zog stöhnend und heiser brabbelnd an mir vorbei, er klang wie ein Rentner, der den ganzen Tag leise nörgelnd vor sich hin meckerte.  Er steuerte wirklich wieder ein sicheres Gebüsch an. „Tschüss Igel“, sagte ich und sah ihm nach, wie er unter den Blättern verschwand. „Tschüss“, sagte der Igel, ohne sich umzudrehen.

Und dann bin ich zur nächsten Straßenlaterne und habe mir die Nebenwirkungen der Medikamente noch einmal ganz genau durchgelesen.


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