Dummerweise ist es ja so, daß man von den Autoren, die man für die Größten hält, irgendwann das Gesamtwerk ganz und gar durchgelesen hat. Dann kann man zwar einiges wieder und wieder lesen, aber das besondere Vergnügen des ersten Mals, das ist doch unwiederbringlich dahin. Wie angenehm, wenn man doch noch auf Werke stößt, die man durch irgendeinen Zufall im ersten Leserausch vor Jahren ausgelassen hat! Als ob man in einem vermeintlich leeren Kühlschrank noch ein letztes, vergessenes Bier finden würde! Na ja, in etwa so.
Joseph Conrad: Ein Lächeln des Glücks – Hafengeschichte. Aus dem Englischen von Ernst Wagner. Das Buch erschien zuerst 1912 und beginnt so:

„Seit Sonnaufgang hatte ich Ausschau nach vorn gehalten. Das Schiff glitt sanft durch das glatte Wasser. Nach einer Reise von sechzig Tagen wartete ich gespannt auf das Insichtkommen meines Zieles, einer fruchtbaren und schönen Tropeninsel. Enthusiastische Bewohner nennen sie gerne „Perle des Ozeans“. Nun gut, soll sie „Perle“ heißen. Ein guter Name. Eine Perle, die der Welt viel Süße spendet. Das soll nichts anderes heißen, als daß dort erstklassiges Zuckerrohr gedeiht.“

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