Wir fahren mit den Söhnen etwa einmal im Monat ins Heimatdorf, sie haben also eine reelle Chance, den Wechsel der Jahreszeiten auch aus der ländlichen Perspektive zu erleben, mit Natur und Grünzeug. Schließlich sollen die Kinder nicht erst in der Schule erfahren, was ein Schwein ist oder daß die Kuh für die Milch zuständig ist oder daß Äpfel von einem Baum kommen. Da es hier ringsherum noch ziemlich viel Landwirtschaft gibt, kann man erfreulicherweise einiges vorführen, hier wirkt manches noch ganz so wie in einem funktionierendem Dorf, mit all den Treckern und Ställen.

In der Gluthitze des Nachmittags fährt ein Mähdrescher über den Acker neben dem Haus der Großeltern, wir stehen in einer riesigen, goldenen Staubwolke und sehen zu. „Mähdrescher“, sagt Sohn I fachmännisch, „sehr groß und sehr laut.“ „Und“, frage ich, „was macht der Mähdrescher denn da?“ „Erntet Getreide“ sagt der Sohn zu meiner Verblüffung, so viel Fachwissen habe ich ihm noch gar nicht zugetraut. „Oha“, sage ich, „du kennst dich aber gut aus.“ Der Sohn nickt. Er zeigt auf den Mähdrescher, der jetzt stehen bleibt. „Da sind jetzt die Körner drin“, erklärt er mir. Dann zeigt er auf weiter hinten gelegene Felder, auf denen das Getreide noch steht: „Und da hinten muß er noch hin. Und da und da.“ Er steht etwas breitbeinig, wie immer, wenn er auf dem Land ist, er hat seine Schirmmütze tief in die Stirn gezogen und kaut auf einem Grashalm. Wenn er auf dem Land geboren worden wäre, er würde sich auch nicht besser auskennen. „Weißt du denn auch, was aus dem Korn gemacht wird, das der Mähdrescher da erntet?“ Ich bin mir fast sicher, daß er es weiß, diese unschlagbare Mischung aus Bilderbüchern, eigener Anschauung und Opas Erzählungen scheint ja wahre Wunder zu wirken. Der Sohn sieht mich an, als würde ich sehr, sehr dumme Fragen stellen. „Ja“, sagt er, „das weiß ich schon.“ „Und“, frage ich, „ was denn?“ Der Sohn kaut geruhsam auf seinem Grashalm, spuckt ihn schließlich aus und sagt: „Daraus macht man Bäcker.“


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