Es gibt viele Methoden, das nächste Buch auszuwählen. Man kann einem Autoren treu bleiben, einem Land, einer Epoche, man kann bewußt wild durch die Kulturgeschichte wechseln, man kann sich seinen Stimmungen hingeben und seltsamen Assoziationen. Man kann aber auch einfach das lesen, was das zahnende Baby gerade vorgibt.

Klingt seltsam, ist aber einfach so: Wenn man ein zahnendes Baby im Dauerheulmodus durch die Wohnung trägt, bis es endlich, endlich einmal einschläft, dann bewegt man sich, sobald seine Augen sich geschlossen haben, in den ersten fragilen zwanzig Minuten des Kinderschlafs tunlichst überhaupt nicht mehr, oder doch nur ganz, ganz wenig. Mit ein wenig Glück ist irgendein Buch im Radius eines Armes oder Beines, das sich mit der Spitze des ausgestreckten Zeigefingers oder des großen Zehs angeln läßt. Dem Baby flackern die Lider, während man sich lang und länger macht,  da liest man eben, was gerade erreichbar ist und verzichtet auf die weitere Suche und unnötige Bewegungen.

Michail Bulgakov: Arztgeschichten. Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Das Buch beginnt so:

„Wer noch nie im Pferdewagen öde Feldwege entlanggezockelt ist, dem brauche ich nichts darüber zu erzählen, er begreift es doch nicht. Wer es aber schon erlebt hat, den möchte ich nicht daran erinnern. Kurz und gut: Für die vierzig Werst, die die Kreisstadt Gratschowka vom Krankenhaus  in Murjewo trennen, brauchten der Fuhrmann und ich genau vierundzwanzig Stunden. „

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