Nach einem mäßigen Buch braucht man etwas verläßlich Gutes. Keine Experimente mehr, gestandene Erzähler, meisterhafte Stilisten. Einer der besten aus Deutschland, der heute leider kaum noch gelesen wird: Eduard von Keyserling. Vielen dummerweise nur bekannt durch die desaströse Verfilmung seines Romans „Wellen“, aber unbedingt lesbar. Die „Feiertagsgeschichten“ erschienen in Buchform zuerst 2008 und enthalten Texte, die zwischen 1905 und 1916 in Zeitungen erschienen sind. Schon die erste Geschichte, in der eine junge Adelige grandios an dem Versuch scheitert, sich in der Liebe heroisch zu benehmen, ist ein ganz wunderbares Stück. Es beginnt so:

„Mimi setzte sich in ihrer Sofaecke zurecht, ein wenig müde. Ihre Pflicht war getan: Sie hatte den Tee eingeschenkt, sie hatte einem jeden etwas gesagt. Nun saßen sie wohlversorgt um sie her und sprachen. Mimi nahm ihre Teetasse, rückte den Korb mit dem Kuchen näher zu sich heran und begann zu essen und zu trinken. Sie war hungrig. Neben ihr saß die alte Fürstin, dick und weich. Die Schmelzen an ihrem Mantel und Hut klapperten leise, wie bereifte Tannennadeln im Winde. Sie sprach von ihren Enkeln. Sie war gerade bei dem Jüngsten, Egon, der sehr begabt war. Alle Enkel der Fürstin waren sehr begabt. Ihnen gegenüber in dem großen schwarzen Sessel lag die Gräfin Mathilde. Das verstand sie – auch auf dem kleinsten Stuhl goß sie sich hin, als läge sie im Bett.“

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