Elfundneunzigtausend Einzelteile. Mehr Schrauben als in unseren sämtlichen Ikearegalen zusammen. Eine Aufbauanleitung die aussieht, als solle man mal eben die Schaltzentrale eines Atomkraftwerks zusammenlöten. Nächtliche Arbeitsstunden, damit die Kinder nicht merken, was hier vorbereitet wird. Zwei entnervte Erwachsene, die sich nicht einmal anbrüllen dürfen, wie es angesichts der Lage doch vollkommen angemessen und normal wäre, aber die Kleinen könnten ja wach werden.

Ich sage der Herzdame, daß ich ins Bett möchte, die Herzdame sagt, ich solle still sein und die Teile B12 und C26 in einem rechten Winkel zueinander halten, damit sie endlich die Stangen E3 und E4 daran montieren könne. Ich sage ihr, daß das gar keinen Sinn habe, solange sie nicht 4 Schrauben der Gruppe A finden und bereithalten würde, sie fragt, wo eigentlich die Schrauben seien. Die Schrauben liegen außerhalb unserer Reichweite, einer von uns beiden wird seine mühsam zusammengesteckten Teile wieder hinlegen müssen. Wir starren uns schweigend an und umklammern verbissen, was wir schon sinnig zusammengefügt haben. Minuten vergehen. Nebenan stöhnt ein Kind im Schlaf und bewegt sich, wir lassen  hektisch alles los, springen zur Tür und werfen sie zu. Die angefangene Konstruktion sinkt klappernd in sich zusammen.

Man sagt, über sechzig Prozent aller Ehen mit Kindern scheitern am Aufbau des irgendwann obligatorischen Kaufmannsladens für cirka Dreijährige. Na gut, nur ich sage das – aber egal, vertrauen Sie mir einfach.

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