Regen über Hamburg. Viel Regen sogar. Wir haben eine Dachgeschoßwohnung, wir haben etwas mehr vom Regen als andere Menschen. Man hört den Regen auf dem Dach, man hört den Regen auf den schrägen Fenstern. Es trommelt, es rauscht. Man sieht, wie der Regen in schnellen Sturzbächen an den Scheiben herunterläuft. Knapp unter den Fenstern verläuft die Regenrinne, in der das Wasser faszinierend hoch steht. Würde man hier jetzt Schiffchen fahren lassen, die könnten schon ordentlich Tiefgang haben und unsere Wohnung umsegeln – quasi Insellage. Der Himmel ist bleigrau und tief und wird an den Rändern immer dunkler, obwohl es gerade erst früh am Morgen ist. Die Fahnen auf dem Hotel Atlantic hängen herab wie nasse Lappen, die vergessenen Eimerchen auf dem Spielplatz sind über Nacht ganz vollgeregnet worden und stehen mit Schlagseite im nassen Sand. Die Autos, die unsere Straße hochfahren, lassen das Pfützenwasser aus den Schlaglöchern meterweit auf den Fußweg klatschen. Gelegentlich hören wir schnelle Schritte von der Straße, Menschen, die durch den Wolkenbruch gebückt von Deckung zu Deckung rennen. Aus unseren Fenstern kann man schon gar nichts mehr sehen, so üppig fließt das Wasser daran herunter. „Gummistiefel und Regenjacke, Regenhut und Matschhose“, sage ich zu Sohn I, den ich gleich durch den Weltuntergang in die Kita bringen muß, wonach ich wahrscheinlich wieder ebenso naß wie gerade unter der Dusche sein werde.

Der Sohn sieht von seiner Müslischale hoch, guckt zum Fenster und sagt kopfschüttelnd: „Das sind doch nur ein paar Tropfen.“

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