Eigentlich meide ich Bücher, deren Hauptfigur Schriftsteller ist. Eigentlich ist das eine ziemlich brauchbare Regel,  um endlosen Selbstbespiegelungen zu entgehen und alle Arten von Ratespielchen zu umgehen, ob die Figur nun der Autor selbst sein soll oder nicht. Manchmal mache ich natürlich eine Ausnahme und prüfe, ob die Regel stimmt. Manche Ausnahmen muß man insbesondere bei deutschen Büchern machen, weil man sonst gar keine findet.

Walter Kempowski: Hundstage. Walter Kempowski schreibt als alternder Schriftsteller, der in Norddeutschland auf dem Land lebt, über einen alternden Schriftsteller, der in Norddeutschland auf dem Land lebt. Er beschreibt den Tagesverlauf dieses Mannes minutiös, vollkommen humorfrei und mit einer geradezu entsetzlichen Lust an banalen Details, die durch die gediegene Wortwahl unklar weihevoll aufgeplustert werden. Schrecklich, schrecklich. Erinnert etwas an die gänzlich unerträglichen Tagebücher von Thomas Mann, der empfand im Alter auch irgendwann alles als geheiligt, was seinen Alltag ausmachte.

Der Roman erschien zuerst 1988 und beginnt so:

„Alexander Sowtschik stand am Tor. Er blickte seiner Frau nach. Soeben war Marianne in ihrem Golf die Pappelallee hinuntergefahren und war, von Dorfhunden verfolgt, im Staub der Straße verschwunden. Den ganzen Vormittag über war im Haus herumgelaufen worden. Türenschlagen, treppauf, treppab, dies noch vergessen, das. Nun war alles ausgestanden, nun war alles im Fluß: Marianne würde die Autobahn erreichen und mit größer werdender Geschwindigkeit dahinfahren, immer weiter, immer weiter, dem an langen Winterabenden erarbeiteten Urlaubsziel entgegen: Isle de Camps an der Atlantikküste, weiß Gott weit weg! Das Meer, nicht wahr? Die schäumenden Wogen und im nahen Städtchen ein Lokal, in dem es ungewöhnliche Leckereien zu essen geben würde.“

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