Sohn I ist im schönsten Rollenspielalter angekommen. Seine Welt besteht aus Piraten und Rittern, Burgen und Schiffen, Urwäldern voller monströser Tiere, Steinzeitlandschaften mit Dinosauriern und Bärenhöhlen, in die man sich zurückziehen kann, wenn einen die Abenteuer einmal überfordern. Wenn er unter einer Decke sitzt und brummt, dann ist er gerade in einer dieser erholsamen Bärenphasen. Wenn er einen Stock schwingt, ist er wahrscheinlich gerade ein Pirat klar zum Entern, und wenn er eine Schüssel auf dem Kopf hat, spricht man ihn am besten als den Blauen Ritter an, auf etwas anderes hört er dann sowieso nicht mehr.

Aber es gibt natürlich auch Szenarien, die sich Erwachsenen zunächst nicht erschließen, zumal er oft die Rollen und Kulissen mit höchst ungenauen Begriffen und zertrümmerten Sätzen bezeichnet.  Man geht als Erwachsener arglos durch die Wohnung und schiebt etwas herumliegendes Spielzeug beiseite, nur um vom hyperventilierenden Sohn I in höchst alarmierter Stimmlage darauf hingewiesen zu werden, daß der dicke Kater, der wo der grüne Mann und im Haus mit den Räubern – Fahrrad! – mit im Kindergarten und dann so BUMM! Woraufhin er einen sehr vorwurfsvoll ansieht, wenn man nicht augenblicklich richtig reagiert. Phasenweise eine durchaus anstrengende Zeit.

Er holt sich die meisten Anregungen aus dem Kindergarten, so daß wir oft eine Weile herumrätseln müssen, worum es aktuell in seinen Gedanken geht. Das ist ganz naheliegend, schließlich tobt er da mit mindestens 12 Kindern herum, die alle seine Ideen mehr oder weniger spielerisch teilen, das befeuert die Phantasie natürlich mehr als die vorlesenden Eltern. Er ist dort mit portugiesischen Kindern zusammen, mit rumänischen, spanischen, türkischen und Gott weiß woher noch, er hat unter anderem auch polnische Erzieherinnen, da kommt natürlich einiges an Geschichten und Mythenvorrat zusammen. Und selbst wenn wir es nicht raten können, was ihn umtreibt, können wir das sicherlich auf sich beruhen lassen, vermutlich gehört es einfach dazu, daß man sein Kind in diesem Alter nur noch begrenzt versteht. Ich werde aber doch einmal im Kindergarten nachfragen, warum das Böse in den Gedanken und Spielen des Sohnes, der Feind schlechthin, das Schwarze Ungeheuer, das namenlose Finstere, das Monster, vor dem wir alle einmal Angst hatten,  nicht etwa ein Drache oder ein höllischer Geisterritter ist, ein Räuber oder ein Krokodil – sondern ein großes deutsches U-Boot. Und warum man, wenn das große deutsche U-Boot in Sichtweite kommt, im geflüstertem Verschwörerton fragen muß: „Seid ihr fertig, Männer?“

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