Ebenso beeindruckend wie tröstlich, daß Simenons Gesamtwerk ein paar Lesejahre reicht. Immer wieder und wieder kann man auf diesen Großmeister zurückgreifen, wenn man gerade nicht recht weiß, auf welcher Fährte man weiterlesen soll. Simenon geht immer. „Die Flucht des Monsieur Monde“, übersetzt von Barbara Heller. Der Roman erschien zuerst 1945 und handelt von einem Mann, der eines Morgens beschließt, seine Frau, seine Kinder und sein Leben zu verlassen und der im Laufe seiner Flucht und seines seltsam trostlosen Neuanfangs zu niederschmetternden Erkenntnissen über die Seele des Menschen und das Zusammenleben kommt. Wolf Haas würde sagen: Schopenhauer nix dagegen. Der Roman beginnt so:

„Es war fünf Uhr nachmittags, vielleicht ein wenig später – der große Zeiger neigte sich leicht nach rechts -, als Madame Monde, begleitet von einem eisigen Luftzug, in den Gemeinschaftsraum des Polizeireviers gestürzt kam. Sie war ohne Zweifel aus einem Taxi gesprungen, vielleicht auch aus einer Luxuslimousine, wie ein Schatten über den Bürgersteig der Rue La-Rochefoucauld geeilt und auf der spärlich erleuchteten Treppe gestolpert. Sie rauschte mit einer solchen Autorität herein, daß sich die anderen Wartenden danach wunderten, wie langsam sich die schmutziggraue, mit einer Selbstschlußvorrichtung versehene Tür wieder hinter ihr schloß, so langsam, daß es durch den Kontrast geradezu lächerlich wirkte.“

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