Ein fast normaler Morgen, wäre da nicht dieses verdächtige Grummeln im Bauch. Ein fast normaler Tagesanfang, würde man nicht den Großteil davon mit der Frage verbringen, ob der Magen sich noch freundlicherweise zu einer Kooperation mit dem Restmenschen entschließen könnte oder nicht. Ein prüfender Blick auf die anderen Familienmitglieder, die sämtlich verblüffend fit wirken. Kurzes Gegrübel über die Frage, was ich gestern als einziger gegessen habe. Spontane Übelkeit bei dem Begriff Kaminwurzen, allein das Wort schon. Ich lese als Sprachfetischist erst einmal nach, wieso das Ding so heißt, die Abbildung neben dem Text gibt mir spontan den Rest.

Eine Stunde später. Ich liege im Bett und sinne meinem kollabierenden Kreislauf nach. Die Herzdame kommt und setzt sich zu mir, sie legt eine Hand auf meinen Bauch und fragt: „Und? Schlimm? Kannst du nicht ins Büro?“ Nanu, denke ich, sollte sie nach all den Jahren doch noch zu einem netten Menschen geworden sein? Das fängt ja früh an, mit dem altersmilden Charakter. „Nein“, stöhne ich, „heute wohl besser nicht.“ „Und du möchtest hier noch ein wenig liegenbleiben?“ fragt die Herzdame und lächelt verdächtig süßlich. An süßlich darf ich aber nicht denken, sonst wird mir wieder schlecht. Ich sehe lieber aus dem Fenster als auf die Herzdame und sage ihr, daß ich in der Tat wohl noch ein wenig liegenbleiben müßte. „Sehr gut“, sagt die Herzdame und ihre Hand auf meinem Bauch übt plötzlich ein ganz klein wenig Druck aus, gerade soviel, daß ich mich lieber nicht aufrichte, „sehr, sehr gut. Dann können wir jetzt ja endlich einmal diese ganzen offenen Fragen zu unserer Steuererklärung durchsprechen.“ Und sie angelt mit der anderen Hand nach einem dicken Ordner, den sie beim Betreten des Zimmers neben das Bett gestellt haben muß.

Es gibt Tage, da hat man einfach verloren.

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