Man integriert so vor sich hin

„Was ist denn Döner?“ fragt mich einer der der dreijährigen Kumpel von Sohn I, während ich Abendessen für alle bestelle. „Ein deutsches Nationalgericht“, sage ich. Sohn I sagt, er will lieber Pommes, und ob die auch ein Nationaldings seien. Ja, sage ich, das ist alles urdeutsch, quasi Teil der Leitkultur. Sohn ignoriert das, er hat einen ganz guten Sinn dafür, wenn die Erwachsenen in sinnlose Themenbereiche abschweifen. Hauptsache Pommes. Die chinesische Bedienung in dem türkischen Imbiß packt uns die Dönerkinderteller ein, mit alles aber ohne scharfe Soße, man soll bei der Integration auch nicht übertreiben, schon gar nicht zu Lasten der Kinder, wo kommen wir denn dahin.

„Und jetzt im Chor“, sage ich vor der Tür zu dem Kleinkindrudel, das meinen Plastiktüten gierig nachläuft wie die Ziegen im Wildpark den Besuchern mit dem Futter, „und wie wir es geübt haben!“ Und die gelehrigen Kinder brüllen glockenklar ein vielstimmiges „Döner macht schöner“ durch die Einkaufsstraße und variieren sehr schön Tonhöhe und Rhythmus, bis wir zuhause sind. Die älteren Passanten sehen freundlich auf die lieben Kleinen herab. Es ist aber auch immer zu und zu rührend, wenn alte Volkslieder von Generation zu Generation weitergegeben werden.