Meinen Platz am Notebook muß ich neuerdings gegen Sohn I verteidigen, der dort nicht mehr nur gelegentlich mal einen Zeichentrickflim auf Youtube sehen möchte, sondern sich jetzt mit geradezu verbissenem Interesse seriöseren Themen widmet. Er sitzt und tippt. Und guckt, was passiert. Sucht auf der Tastatur lange nach dem E, drückt darauf, guckt auf den Bildschirm und strahlt dann begeistert: „E wie Erdgeschoß!“ Auch Fahrstuhlfahren bildet, wie man daran merkt. Das ist ein schöner Erfolg, der sich allerdings bei dem U leider nicht wiederholt – „U wie Keller!“ – wir hätten wohl doch konsequenter Untergeschoß sagen müssen. Er erkennt auch ein S, weil es wie eine zischelnde Schlange aussieht, das konnte er sich gut merken. Ein J, weil sein Name damit anfängt. Ein A, weil seine Freundin mit A anfängt. Und ein B, das hat mich zunächst etwas gewundert. Bis er mir aufsagte, welchen Merkspruch zum B ihm die Herzdame erfolgreich vorgebetet hat: „Das ist ein B. Mit so dicken Bäuchen, wie die Buddenbohms.“

Er guckt mir lange zu, wenn ich etwas tippe, er fragt, was ich da geschrieben habe. Er versucht zu schätzen, ob die Menge an Text, die ich aus einem Bilderbuch vorlese, auch wirklich zu dem paßt, was da steht, ich könnte schließlich etwas unterschlagen. Er kriegt mit, wenn ich ganze Absätze auslasse. Er hat längst gemerkt, daß unten auf den Seiten auch Zahlen stehen, sogar in fast jedem Buch. Seitenzahlen. Zahlen findet er auch toll, vielleicht sogar toller als Buchstaben. Zumal es verwirrend viele Buchstaben gibt, aber nur eine überschaubare Anzahl von Zahlen. Warum da unten auf den Seiten immer Zahlen stehen, das ist ihm schleierhaft, aber es beschäftigt ihn sehr. Er sieht mir zu, wie ich lese, er guckt genau, wo ich hingucke, er sieht noch einmal prüfend in das Buch, wenn ich es weglege.

Dann fragt er: „Wenn du die Buchstaben fertig gelesen hast, liest du dann die ganzen Zahlen extra?“

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