Neu auf dem Nachttisch

Und einer von Sven Regener fehlte natürlich noch, man kann so eine Reihe ja schlecht unvollendet im Regal stehen lassen. Also könnte ich eigentlich schon, da meine Regale jeglicher Ordnung entbehren, das würde eh keiner merken,  was da fehlt, aber der Gedanke zählt. Nun also „Der kleine Bruder“. Der Roman erschein zuerst 2007, also quasi gestern,  und beginnt so:

„Irgendwann war es so dunkel, daß Wolli schwieg. Frank Lehmann bemerkte das erst gar nicht, weil er schon lange nicht mehr hinhörte, schon kurz hinter der Grenze bei Helmstedt hatte er die Ohren auf Durchzug gestellt und sich aufs Fahren konzentriert, vor allem darauf, die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 100km/h nicht zu überschreiten, denn das war ja schon Wollis Hauptthema zwischen Bremen und Hannover gewesen, daß die einen fertigmachen würden, wenn sie einen dabei erwischten, wie man ihre Geschwindigkeitbegrenzung von 100 km/h ignorierte, […]“

Kollege kommt gleich

Nach einer Studie von Accenture waren die Deutschen noch nie so unzufrieden mit der Servicequalität von Dienstleistern wie im letzten Jahr. Man könnte daraus schließen, daß alles immer schlechter wird, es geht sozial bergab mit diesem Land, obwohl es wirtschaftlich doch gerade bergauf geht. Wir behandeln uns gegenseitig immer ungnädiger und zickiger und am Ende essen wir nur noch in Automatenrestaurants, um bloß mit keinem blöden Kellner mehr reden zu müssen. Könnte man denken. Das ist aber falsch, wie ich aus erster Hand weiß. Die Zukunft, sie wird rosig. Menschen in Läden und Restaurants werden sich überschlagen, um uns bedienen zu dürfen. Ich kann das mit Fug und Recht behaupten, ich leite das einfach aus der Haltung der Kinder ab. Da habe ich Beispiele zur Hand, da kann ich beurteilen, wie die Lage ist. Die Kinder von heute werden bekanntlich die Kassierer von morgen, und wenn ich da Sohn I als Muster betrachte, kann ich mich beruhigt entspannen.

Sohn I, der seinen Kaufmannsladen (Spezialität Erbsen in Flaschen) mit einer gewissen Leidenschaft betreibt, spielt in nicht endender Ausdauer mit uns Einkaufen. Verhandelt mit der Herzdame oder mir Preise, jubelt uns die seltsamsten Angebote unter und verschenkt freigiebig Proben aus dem reichhaltigen Sortiment. Normalerweise spielen entweder die Herzdame oder ich mit ihm, da einer von uns beiden immer am Schreibtisch sitzt. Heute waren wir aber zufällig zu zweit in seinem Laden, ein Zustand, der ihn sichtlich merkwürdig beunruhigte. Er brachte das Kassieren erstaunlich hektisch hinter sich und zog mich dann schnell beiseite, um mit mir ein ernstes Wort zu reden. Nämlich über den Weihnachtsmann. Dem es etwas auszurichten galt: „Papa, sag ihm, ich brauche ganz schnell eine zweite Kasse für meinen Laden, weil wenn es wieder einmal so voll wird, dann muß ich doch einen Kollegen rufen können!“

Es geht bergauf mit der Servicequalität, es kann sich nur noch um ein paar Jahre handeln.