Neu auf dem Nachttisch

Mit herzlichem Dank an meine Lektorin bei Rowohlt, die mir nach diesem Blogeintrag ein Buchpaket zur Beruhigung schickte. Daraus frisch aufgeschlagen: John Updike: „Fällige Betrachtungen – Essays“. Deutsch von Susanne Höbel.

Essays zu einer erstaunlichen Vielzahl von Themen, über Allgemeines, Reisen, Bücher, Autoren, Kunst, Musik… Und wenn man da so quer liest, kommt man schnell zu dem Schluß, daß man eine so umfassende Allgemeinbildung in diesem Leben wohl nicht mehr erreichen wird.  Aber wenn man das Buch durch hat, ist man doch wieder ein klein wenig näher dran, immerhin. Das Buch ist dick und die Themen sind wirklich enorm breit gefächert,  ich las zuerst einmal, was mir bekannt vorkam, eine Rezension zu „Im Krebsgang“ von Günter Grass. Sehr fein formuliert, was Updike da über das Buch schreibt, voller Hintergrundwissen und angenehm vorsichtig im Urteil.  Wohlwollend, ohne das Buch wirklich zu mögen und dabei wiederum ganz ohne herablassend zu sein, eine sympathische Art, über Literatur zu schreiben. Anders als deutsche Rezensenten, die immer gerne scharf urteilen, sei es positiv oder negativ.

Das Buch erschien zuerst 2007. Ich zitiere einen Absatz aus dem Essay „Büchern den Rücken gestärkt“, in dem es um E-Books geht.

„Wie Umzugsleute und alle, die einmal umgezogen sind, wissen:  Bücher sind eine schwere Fracht, das Gewicht von Kühlschränken und Sofas, auf mehrere Kartons verteilt. Ihretwegen zögern wir, bevor wir unsere Adresse ändern. Wer weiß, wie viele ältere Paare beschlossen haben, an Ort und Stelle zu bleiben, weil sie nicht wissen, wohin mit den Büchern. Wie viele  Scheidungen abgewendet wurden, wegen der Liebe zur gemeinsamen Bibliothek. Bücher geben uns Bodenhaftung, sie wirken als Gegengewicht zu unserem unbeständigen und flatterhaften Wesen. Im Vergleich dazu mangelt es jedem elektronischen Lesegerät an Substanz. […] Ohne Bücher könnten wir geradewegs in die Luftwellen aufsteigen und wären nichts weiter als ein paar Piepse im All.“