An der Rezeption eine längere Schlange, ich stelle mich hinten an und warte, ich brauche einen neuen Termin. Ich bin der einzige Vater in der Reihe, vor mir nur Mütter. Mütter mit Kindern auf dem Arm, Mütter mit Kindern an der Hand. Mütter, die Rezepte einstecken, Krankmeldungen, Überweisungen. Viele vereinbaren ebenfalls einen Folgetermin, die Sprechstundenhilfe schlägt jeweils ein Datum vor, die Frauen nicken und gehen. Als ich dran bin und mir ein Termin genannt wird, höre ich die fürsorglich nachgeschobene Frage: „Soll ich es ihnen nicht besser aufschreiben?“

Als Vater halte ich mich oft in Kreisen auf, in denen sonst nur Mütter verkehren, solche Ungleichbehandlungen finde ich dabei immer interessant. Keiner der Frauen vor mir wurde ein Zettel angeboten, alle hatten ihren Termin einfach im Kopf gespeichert, das schien kein Problem zu sein – bis ich dran war. „Sie fragen mich das nur, weil ich ein Mann bin, oder?“ frage ich die Sprechstundenhilfe. Ich finde, man muß solche Vorkommnisse auch benennen. Diskriminierung einfach hinzunehmen, das kann niemals die Lösung sein. „Nein“, sagt die Sprechstundenhilfe, schüttelt den Kopf und sieht mich sehr freundlich an, „wenn eine Frau einen sehr verwirrten Eindruck macht, dann biete ich der auch einen Zettel an.“

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