Einer von denen, die in meiner Generation noch mit einigen Büchern bekannt sind, mit den damaligen Verkaufserfolgen, und die bei der jüngeren Generation aber leider schon gänzlich vergessen sind: Wolfdietrich Schnurre. Es scheint mir ein ganzes Rudel von Nachkriegsautoren zu geben, die fast gar keinen Nachruhm mehr haben, von wenigen Bestsellern einmal abgesehen. Bei Schnurre also zum Beispiel „Als Vaters Bart noch rot war“, das wird man noch kennen, vielleicht. Nun aber „Der„Schattenfotograf“ , das wollte ich schon seit Jahren lesen, jetzt endlich gekauft. Ein Journal, ein Notizbuch, ein Tagebuch, wer weiß, heutzutage wäre es wohl ein Blog geworden. Und was für eines.

Das Buch erschien zuerst 1978 und beginnt so:

„August 1975. In Kürze hat dieser restliche Körper, aufrecht gehalten von einem sentimentalen Gemüt, hinkend an seinen Erfahrungen, terrorisiert von einem sprunghaften Intellekt und jagdhundhaft von seiner unzuverlässigen Seele umkreist, aller Voraussicht nach den fünften Schritt in die zweite Hälfte des ihm möglicherweise zugebilligten knappen Jahrhunderts zu vollziehen. Die Schüsse trafen und trafen doch nicht. Die Liebe warf ihre Messer; das letzte vibriert noch im Holz. Das Licht alterte mit. Der Schatten gewann an Kontur. Schuld und Verrat haben ihre Position bezogen. Von den Zinnen herab wird jeder Schritt relativiert. Gleichmut und Egozentrik wühlen sich mit dem Hakenschnabel die Milben aus dem Gefieder. Das Unterholz versucht noch Wildnis zu spielen. Jedoch der Schädlingsfraß läßt keine Zweifel aufkommen. Und die Liste der ausgestorbenen Vögel ist lang. Es wird Zeit, Bestand aufzunehmen.
Täglich einen guten Prosasatz lesen, das brächte einen schon weiter. Nur: wo stehen so viele?“

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