Aus, vorbei, schon vorüber. Ein Jahr ist nichts, wenn man über die Schulter zurücksieht, man meint sich noch an den Geschmack des Schampus vom letzten Silvester zu erinnern. Kachelmann, Lena, Grubenunglück in Chile. Irgendwas auf Haiti, die Loveparade. Loki Schmidt. Kulturhauptstadt Ruhr, war da was? Keine Ahnung. Das iPad. Hat sich alles privat nicht ausgewirkt, rauscht alles so durch. Ein Bild in der Zeitung, zwei Artikel später schon vergessen. Immerhin, nach dem Riesenerfolg des Buches über die Fleischindustrie „Tiere essen“ von Jonathan S. Foer werden sehr viele Menschen zu Vegetariern, auch mehrere Frauen im Freundeskreis. Nur Frauen, wohlgemerkt. Der deutsche Mann würde nach der Lektüre vielleicht auch zum Vegetarier werden, aber er hat ein kleines Problem. Durch den tragischen Irrglauben bemerkenswert vieler Frauen in diesem Land, dass die Leggings wieder zu den tragbaren Kleidungsstücken zu zählen sind, muß der Mann nämlich pausenlos an das Wort „Wurstpelle“ denken. Wer aber unentwegt so etwas denkt, der ist für die fleischlose Bewegung verloren, an dem geht der Welttrend vorbei. Da die Frauen sich nach der Lektüre des Buches gerne auch komplett der Fleischbeschaffung verweigern, stehen die Männer nun vermehrt an Currywurstbuden und ähnlichen öffentlichen Fleischversorgungsanstalten herum, wo sie noch mehr Frauen in Leggings sehen. Man ahnt die Folgen. Wir liegen nicht nur in den Pisa-Studien zurück, wir werden auch noch ewiggestrig, was die Ernährung betrifft, von der Mode ganz zu schweigen. Der deutsche Mann steht schnitzelschwer im Imbiß, die deutsche Frau geht salatschlank vorbei. Sie sehen sich an und verstehen sich nicht. Es hat einen neuen Grund, aber es wirkt doch alles wie immer.

2010? Da war nichts.

Dieser Text erschien als Kolumne im Jahresrückblick der Lübecker Nachrichten und der Ostseezeitung.

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