Und zwischendurch immer wieder zurück zum Großmeister: Georges Simenon. „Die Fantome des Hutmachers“, erschienen zuerst 1947. Die Szenerie in La Rochelle mutet sehr historisch an, der Roman könnte auch in der Vorkriegszeit spielen und wie immer bei Simenon meint man schon nach zehn Seiten genau zu wissen, wie es sich angefühlt hätte, an einem Abend im Herbst der Hauptfigur durch die verregneten Straßen der Altstadt zu folgen, in der die Lichter früh verlöschen und die Stimmung unbestimmt bedrohlich wird. Und wäre man begabter Zeichner, man könnte das Ladengeschäft der Hauptfigur, seinen Lehrling, sein Hausmädchen, seinen Nachbarn umgehend aufs Papier werfen, so klar wird hier ein Bild erschaffen. Der Roman beginnt so:

„Man schrieb den 3. Dezember, und es regnete immer noch. Die Zahl 3 hob sich riesig, ganz schwarz, mit einer Art dickem Bauch von dem grellen Weiß des Kalenders ab, der rechts von der Kasse an der Zwischenwand aus dunklem Eichenholz hing, die den Laden vom Schaufenster trennte. Es waren genau zwanzig Tage her, die Geschichte war nämlich am 13. November passiert – wieder so eine dickbäuchige 3 auf dem Kalender -, seit die erste alte Frau in der Nähe der Saint-Sauveur-Kirche, einige Schritte vom Kanal entfernt, ermordet worden war. Und seit dem 13. November regnete es. Man konnte sagen, daß es seit zwanzig Tagen ohne Unterbrechung regnete.“

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