Von einem Simenon wird man nicht satt, gleich den nächsten hinterher und dieser sogar noch gehaltvoller. Der Mann hat erfreulicherweise Tagebuch geschrieben, zumindest eine Weile lang. Georges Simenon: Als ich alt war. Deutsch von Linde Birk.

Wenn man selbst schreibt, ist der Anfang ein klein wenig frustrierend, wie man gleich merken wird, davon abgesehen ist es aber ein sehr erhellendes Buch, auch über das Schreiben.  Es erschien zuerst 1963 und beginnt so:

„Vor vier Tagen – am 21. – beendete ich einen Roman. Es sind nun über einhundertachtzig, und diesen wollte ich besonders einfach halten. Als ich am ersten tag anfing zu schreiben, hatte ich etwa bei der neunten oder zehnten Seite das Gefühl, dass es sinnlos sei, weiterzuschreiben, dass ich nichts Lebendiges zustande bringen könne.

Ich war, wie immer, wenn ich schreibe, allein hinter geschlossenen Vorhängen in meinem Arbeitszimmer, fünf-, sechsmal ging ich im Kreis herum, nur eine Art menschlicher Achtung hielt mich davon ab, diese paar Seiten zu zerreißen und einige Tage abzuwarten, um dann mit einem anderen Roman zu beginnen. Das ist mir schon zwei- dreimal in einem einzigen Jahr passiert. Diesmal brach ich in Weinen aus. Dann setzte ich mich, ohne allzuviel Hoffnung, wieder an die Maschine. Ich glaube, dass es mein bester Maigret geworden ist.“

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