Dreijährige Kinder neigen mit jedem Monat mehr zu Unfreundlichkeiten. Sie nehmen im Kindergarten ein Schimpfwort nach dem anderen auf und verwenden die Kollektion mit großer Freude in den unpassendsten Situationen, wobei ich zum Beispiel auch das abendliche Zubettbringen als unpassend empfinde, ich lasse mich dabei nur ungern beschimpfen.  Dreijährige unter sich reden fast nur noch in dramatischen Vokabeln, und es kann etwa ein Jahr dauern, bis sie wieder zu einem halbwegs normalen Sprachgebrauch übergehen, zumindest meiner Erfahrung mit den älteren Kindern in der Nachbarschaft nach. Den Sprachgebrauch im Kindergarten kann man natürlich als Elternteil nicht beeinflussen, dass muss man so hinnehmen, dass diese Einrichtung  eine gewisse Derbheit in den Alltag bringt und das Kind beim Abholen schon mal wütend wird, wenn es seine verdammten Kackstiefel nicht sofort findet, die sich irgendwo in der pissblöden Umkleide verstecken, die dämlichen Scheißteile. Das kann man sich nur anhören, direkte Korrekturen sind sinnlos, schon gar in einem Umfeld, in dem eine ganze Horde Kinder die Schimpfwörter begeistert aufnimmt, umformuliert, ausgestaltet und weiter im Chor herumbrüllt.

Nein, man muss warten, bis man zuhause ist. Erst dort kann man versuchen, durch dezidierte Höflichkeit eine andere verbale Richtung einzuschlagen und das Kind zurück auf den goldenen Weg der Freundlichkeit zu locken. Ein schweres Unterfangen, aber natürlich ein lohnendes – und eines, das immerhin Aussicht auf Erfolg hat.  Kinder passen sich von Natur aus gerne an, wenn man also nur lange genug Freundlichkeiten vorlebt, werden sie irgendwann ebenso antworten. Sagt man.

Ich: „Na, mein Küken?“

Sohn I: „Na, du alter Hahn?“

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