Sachbücher kommen mir ja eher selten unter die Finger, aber manchmal ist es ja ganz nett, etwas dazuzulernen. James Hamilton-Paterson: Vom Meer – Über die Romantik von Sonnenuntergängen, die Mystik des grünen Blitzes und die dunkle Seite von Delfinen (man mag sich gar nicht vorstellen, wie lange das Marketing im Mare-Verlag für den Titel gebraucht hat – ich höre förmlich jemanden rufen „Der Delfin muss rein, Delfin läuft immer!“ Und alle so: yeah.). Das Buch wurde übersetzt von Thomas Bodmer und ist in diversen Feuilletons geradezu hymnisch besprochen worden. Es enthält Reportagen über Inseln, Fischerei, Meeresbewohner und ähnliche Themen, durchweg sehr unterhaltsam und dümmer wird man auch nicht. Die hymnische Besprechungen kann ich nicht nachvollziehen, ich würde es einfach für ein gutes Buch halten, nicht für eine Offenbarung. Aber als gutes Buch kann man es allemal empfehlen, besonders die Beiträge über Fischerei haben es in sich, bergen aber auch das Risiko, dass man seine Fischmahlzeit hinterher mit etwas anderen Augen betrachtet – oder gleich ganz ausfallen lässt.

Eine der geradezu bezaubernden Erkenntnisse aus dem Buch: Zu den erfolgreichsten Lebewesen auf diesem Planeten gehören die Quallen, die seit 500 Millionen Jahren ohne großen Änderungsbedarf an Gestalt und Bauweise durch die Weltmeere dümpeln und es, so vermutet der Autor, auch noch dann tun werden, wenn wir Menschen uns längst aus der Geschichte verabschiedet haben. Quallen können eine beträchtliche Größe erreichen, haben einen interessanten Aufbau, raffinierte Jagdmethoden und eine seltsame Art der Fortpflanzung. Was sie aber zu dem Riesenerfolg ihrer endlosen Laufbahn nicht gebraucht und daher bis heute nicht entwickelt haben: ein Gehirn. Oder auch nur ein zentrales Nervensystem. Denken Sie mal drüber nach.

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