Menschen ohne Kinder werden es kaum nachvollziehen können – aber es ist so eine ungeheuer wohltuende Erfahrung, wenn man nach Hunderten von schlecht bis idiotisch gereimten Bilderbüchern, deren Sprachrhythmus oft eine reine Kränkung, deren Versmaß eine Beleidigung für jeden Menschen mit Gehör und deren Wortwahl eine reine Verzweiflungstat gänzlich hilfloser Texter ist, die man nicht einmal Autoren nennen mag und denen man ein paar Tüten mit Scrabble-Steinchen hinschieben möchte, damit es beim nächsten Mal vielleicht besser gelingt, was sie sich erfrecht haben zu versuchen. Es ist so eine ungeheuerliche, befreiende und berauschende Wohltat, wenn man nach all diesem erbärmlichen Sprachschrott, mit dem Kleinkinder bis etwa drei Jahre so gerne behelligt werden, als ob Dichtung für Kleine Dichtung für Arme wäre, wenn man also endlich, endlich in Frieden zu Wilhelm Busch übergehen kann und man förmlich sieht, wie es im Nachwuchs Klick macht und ein anständiger Reim schlagartig verstanden und grinsend wiederholt wird. Weil es Spaß macht. Himmel, ist das schön. Und da wundert man sich fast gar nicht mehr, dass Sohn I zum allerersten Mal überhaupt fragt, wer das Buch geschrieben hat und dann anerkennend wiederholt: „Wilhelm Busch. Gut. Das wollen wir immer und immer wieder lesen.“

Man möchte auf der Stelle an das Grab von Wilhelm Busch fahren und, den Sohn an der Hand, ein Blümchen ablegen und leise mit Blick auf den kleinen begeisterten Nachwuchsleser zum Meister sagen: „Gucken Sie mal – noch eine Generation.“

 

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