Sohn I: „Papa, soll ich dir mal was vorlesen?“

Ich: „Ja, sehr gute Idee, mach mal.“

Sohn I: „Ich hab hier ein Buch ohne Text, nur mit Bilders.“

Ich: „Dann gibt es ja nicht viel vorzulesen.“

Sohn I: „Doch, das macht nichts, dass da kein Text ist. Weil nämlich, Text kann man ja auch selber machen. Hör zu. Hörst du zu? Also. Es war einmal ein kleiner Junge, der lebte in einem Bahnhof…“

Aus unerfindlichen Gründen fangen seine Geschichten immer mit einem kleinen Jungen an, der in einem Bahnhof lebt – vielleicht leben wir doch etwas zu dicht am Hamburger Hauptbahnhof. Der Sohn zeigt mit dem Finger auf die Bilder, blättert, gestikuliert und erzählt und erzählt. Seine Geschichten verwirren sich nach zwei, drei Sätzen ins Surreale oder auch Dadaistische und verlassen schon nach wenigen Sekunden die Zonen auch nur ansatzweise geregelter Grammatik, aber es sind doch Geschichten mit dramatischen Höhepunkten, wenn mir diese auch leider rätselhaft bleiben. Ich erkenne sie nur an der bebenden Begeisterung des Kindes bei bestimmt Passagen seiner wilden Wortfolge. Am Ende jedenfalls, das versteht man dann wieder sehr gut,  klappt er das Buch mit einem Knall zu und sagt strahlend: „Fertig.“ Erzählen macht Spaß, man sieht es ihm an.

Neulich hab ich ihm erzählt, dass ich mir auch gerne Text ausdenke und manchmal sogar Geld dafür bekomme, wenn ich das dann anderen vorlese. Er hat sich kaputtgelacht.

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