Der Urlaub naht bedrohlich, die Laune der Herzdame sinkt ebenso bedrohlich ins Bodenlose, denn wenn man in den Urlaub fährt, dann muss man packen. Packen ist für sie der ultimative Horror, denn Packen heißt in der Regel, ein paar Sachen nicht einzupacken. Und im Falle einer Flugreise muss man sogar ziemlich viele Sachen nicht einpacken. Ich brauche etwa 5 Minuten, um ein paar Kleidungsstücke und Bücher auf einen Haufen zu werfen und „fertig“ zu rufen, die Herzdame braucht dafür etwa 48 Stunden und zehn Telefonate mit der besten Freundin – und sie würde sie auch dann brauchen, wenn wir keine Kinder hätten, für die sie mitpackt.

Die Herzdame nähert sich userem Kleiderschrank, mit jedem Schritt senken sich die Mundwinkel weiter nach unten, eine bedrohlich wirkende Falte bildet sich auf der Stirn, eine Hand hebt sich zögernd zur Tür des Schrankes, fast ist er geöffnet – da fällt mir ein, wie ich ihr helfen kann, wie ich alles erleichtern kann, wie ich auch heute wieder eine gute Tat tun kann. Und ich verlasse die Wohnung, setze mich draußen irgendwo in den Schatten, trinke einen Kaffee und lese ein gutes Buch. Denn auch ich habe im Grunde ein gutes Herz und kann es mit ein wenig Mühe schaffen, die Herzdame nicht den ganzen Tag zu verspotten, nur weil sie drei Stunden lang hochkonzentriert über zwei T-Shirts in unterschiedlichen Farbnuancen nachdenken muss.

Na gut, ich versuche es zumindest.

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