Vor dem Fenster die Kirschen in den Bäumen, noch grün und steinhart. Daneben die Pflaumen, natürlich auch noch grün und viel weniger als noch im letzten Jahr. Dahinter die Weide, auf der das Gras blüht und golden im Sonnenschein wogt.  Dann meilenweit Gerste, dazwischen ein paar sehr alte und sehr krumme Apfelbäumchen. Rechts die Stachelbeeren, die schon erstaunlich reif sind, dann Johannisbeeren, schon dunkelrot, die kommen früh, in diesem Jahr, die Beeren.  Oben der Bussard, langsam höher und höher kreisend, etwas tiefer die Krähen, unruhig flatternd. Auf der Terrasse Opa,  der seine Hosen sucht. Hosen, die er als letzter noch stehender Besucher eines Dorffestes anscheinend nicht mehr nach Hause gebracht hat.  Er kann wenig sachdienliche Angaben zu den letzten Stunden des gestrigen Abends machen. Oma liegt auf einem Gartenstuhl, greift sich an den Kopf und stöhnt.  Sie würde vielleicht mit ihrem Mann schimpfen, aber sie kann sich nicht erinnern, wo ihr Portemonnaie geblieben ist, so trifft man sich lieber friedlich im gemeinsamen Erinnern, das auch nach intensivem Bemühen verblüffend wenig zutage fördert.  Außer, dass man irgendwann von Bier auf Wein überging und jetzt sehr viele Menschen aus dem örtlichen Sportverein kennt. Nicht, dass man die Namen noch wüsste, aber egal.

Die Herzdame, die Söhne und ich frühstücken mit gutem Appetit. Wir waren zeitig im Bett, natürlich waren wir das. Wir haben Kinder, wir kommen zu nichts, auch nicht zu Exzessen. Exzesse müssten wir einplanen, aber dann wären es ja keine mehr.  Morgen stürzen wir mal ab, das kann man sich so nicht vornehmen, das muss über einen kommen wie ein Naturereignis, wenn man die Wahl hat, dann ist es ja schon verkehrt. Kinder scheinen als Naturereignis erst einmal genug zu sein, da ist nicht mehr sehr viel Raum für andere.  Die Sonne fällt auf den Frühstückstisch. Opa hat eine grünliche Gesichtsfarbe und stöhnt vor sich hin. Oma zittert beim Eingießen des Kaffees und sie trägt eine ungewöhnlich große Sonnenbrille. Sie reden beide  wenig, sie brummen nur ab und zu. Es scheint ihnen insgesamt eher nicht sehr gut zu gehen. Die Herzdame und ich, wir sehen sie ein wenig neidisch an.


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