Wir haben Besuch, ein befreundetes Paar ist da, sie ist gerade schwanger. Wir fragen nach dem Stand ihrer Vorbereitungen auf die Geburt und die erste Zeit danach, die Frau sagt strahlend, sie seien gerade dabei, das Kinderzimmer genau zu planen, das sei ja auch  alles  recht kompliziert. Ihr Mann sieht sie vollkommen verblüfft an und fragt: „Was, wir planen schon das Kinderzimmer? Wir? Davon weiß ich ja gar nichts?“ Nein, sagt sie, sie sei noch gar nicht dazu gekommen, alles mit ihm abzusprechen, aber sie würde eben schon einmal gedanklich etwas vorarbeiten. Ich nehme den Mann beiseite und weise ihn darauf hin, dass so ein Satz ein ganz schlechtes Zeichen für die Beziehung sei. Wenn die Frau wir sagt und nur sich meint, dann hat der Mann in der Regel schon aufgegeben irgendwo mitzubestimmen, dann sitzt er nur noch als Dekofigur auf dem Sofa und um ihn herum passiert der Familienalltag, den die Frau dann komplett alleine regelt. Als ob uns Männer solche Themen nicht auch interessieren würden! Als ob noch die alten Rollenmuster gelten würden! Wenn der Mann dann später wieder versucht, irgendwo doch noch mitregieren zu dürfen, kann er das in aller Regel vergessen, denn ist die Chance erst einmal vergeben, ist alles endgültig vorbei. Ich weise den Freund darauf hin, dass so etwas in meiner Ehe übrigens nicht passiert sei. Ich bin nämlich tatsächlich noch an allen Entscheidungsprozessen selbst beteiligt, auch wenn es etwa um so etwas wie Kinderzimmereinrichtung geht.

„Gerade gestern erst hat die Herzdame mir lang und breit  ihre Vorstellungen vom demnächst anstehenden Umbau des Kinderzimmers berichtet“, sage ich stolz, „noch vor dem Besuch im Möbelhaus. So muss das laufen!“ „Und“, fragt mein Freund, „was plant ihr denn so?“ „Keine Ahnung“, sage ich wahrheitsgemäß, „ich habe nicht zugehört.“

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


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