Es ist früh am Morgen, die Söhne stolpern kreischend aus dem Fahrstuhl und stürmen aus der Haustür. Hüte fliegen in die Luft, Rucksäcke baumeln an nur einem Riemen, Jacken hängen auf Halbmast an schmalen Schultern, lose Schnürsenkel künden von Eile. Die Sonne scheint, die Büsche um den Spielplatz funkeln noch regennass vom letzten nächtlichen Guss in blendendem Grün, die Amseln toben schimpfend durchs tropfende Laub, ein Mops auf Morgenrunde wendet sich indigniert von den Krachvögeln ab, sein Herrchen ebenso.

 Ein neuer Tag voller Abenteuer liegt vor den beiden Jungs. Sohn I sammelt Stöcke auf, einen sehr langen und einen sehr kurzen, also einen für sich und einen für den kleinen Bruder. Er drückt Sohn II das wichtige Accessoire, ohne das man als Junge besser nicht aus dem Haus geht, in die Hand, sieht sich zufrieden um und stellt fest: „Okay, wir haben ein Laserschwert und eine Pistole…“ Sohn II nickt begeistert, schwenkt seinen Stock und sagt: „…tole.“ Er wiederholt gerne die letzten Silben von allem, was der große Bruder sagt. „Ein Laserschwert und eine Pistole“, wiederholt Sohn I und wirft mir einen prüfenden Blick zu: „Und sonst haben wir ja auch noch Papa. Jetzt aber los.“ „Jessabalos“, sagt Sohn II. Und dann rennen sie schreiend los und sehen nach, ob hinter der nächsten Ecke nicht vielleicht ein Monster lauert.

Mit anderen Worten, wir gehen jetzt endlich ohne Buggy zum Kindergarten. Nach drei Jahren zum ersten Mal wieder ohne Gefährt unterwegs. Ich fühle mich wie entwaffnet. Und versuche mich zu erinnern, wie Einkaufen ohne Kinderwagen geht. Wohin mit dem ganzen Zeug?

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