Ich bin überzeugter Stadtmensch, ich mag es, nicht auf dem Land zu wohnen. Städte sind toll, man kann an Bahnhöfen und Tankstellen einkaufen gehen, man findet immer eine offene Kneipe, einen Club, ein Theater, ein Kino – also alles, für das man eh nie Zeit hat. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass es da ist. Auf dem Land schreit nachts das Käuzchen und sonst ist man umgeben vom beinharten Nichts, dafür muss man geboren sein. Ich bin es nicht. Städte sind toll, nur die Autos stören. Autos parken alles zu, machen Krach und stinken, sie zerstören das Stadtbild und bringen mehr Leute um als die meisten gängigen Viren zusammen. Wenn es keine Autos gäbe, dann wären Städte noch toller. Man würde beim Bummeln nicht überfahren werden, man könnte sein Fahrrad vernünftig parken und die Kinder und Hunde ohne Leine laufen lassen. Himmlisch! Obwohl – wenn es keine Autos gäbe, dann würden die Menschen den Nahverkehr nutzen. Sie würden zum Bahnhof müssen, zum Flughafen, zum ZOB. Sie würden mehr gehen als jetzt und sie würden alle einen Rollkoffer hinter sich herziehen. Menschen, die heute für noch so kurze Zeit verreisen, ziehen unweigerlich einen Rollkoffer hinter sich her, manche sogar dann, wenn sie nur einen Termin im Büro nebenan haben. Sie haben ein Mäppchen zu tragen? Nehmen sie doch einen Rollkoffer! Ein Rollkoffer auf Straßenpflaster macht mehr Lärm als ein Porsche Cayenne. Mit einem einzigen Rollkoffer kann man mühelos einen ganzen Straßenzug aus dem Schlaf reißen, die meisten werden das kennen. „Was ist los, kommen die Russen?“ „Nein Schatz, die Nachbarin geht zum Bahnhof.“ „Na., dann ist es ja gut.“

Eine Stadt ohne Autos scheint auch keine Lösung für das Lärmproblem zu sein. Utopien sind auch nicht mehr, was sie mal waren.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

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