Ganz naheliegend. Wenn man die Wohnung halb zerlegt hat, weil man neue Möbel gekauft hat und alles umräumen, umherschieben und neu arrangieren möchte , und wenn diese neuen Möbel erst halb und in Nachtschichten aufgebaut sind, während die Sachen aus den alten Schränken noch irgendwo in Stapeln, Haufen und Kästen herumfliegen, wo genau weiß dabei mittlerweile allerdings keiner mehr,  wenn dann in diesem Chaos zwei äußerst dynamische Kleinkinder herumwuseln, deren Kindergarten gerade beliebt Sommerpause zu machen, dann wird zufällig  auch noch gleichzeitig das Bad renoviert, zu welchem Zweck es natürlich komplett leergeräumt werden muss, wodurch dann Waschmaschine und Trockner etc. auch noch einfach irgendwo herumstehen, vorzugsweise im Weg, jedenfalls aber so, dass sich für die Jungs ganz neue Klettertouren ergeben, wie sie begeistert feststellen.  Auch naheliegend, dass der Handwerker, der das Bad umgehend renovieren soll, nach dem Ausräumen des Bades anruft und jetzt lieber doch nicht mehr so bald kommen möchte.  Dies verkündet er lässig, während Sohn I über ein halb aufgebautes Regal klettert, dass dabei deutlich hörbar ein ungesund klingendes KNACK von sich gibt und in sich zusammensackt, woraufhin ich mich zwischen Sohn I und die Herzdame werfe, um Mordtaten zu verhindern, denn die Herzdame hat Stunden mit diesem etwas unwilligen Möbel zugebracht, jeder einzelne Nupsi ist ihr mittlerweile vertraut, als würde er lange zur Familie gehören. Auch die paar Nupsis, die gerade durchgebrochen sind.  Dieses entspannte Gesamtbild stelle man sich bitte untermalt vom Dauergeräusch einer ganzen Armada von Arbeitern mit Presslufthammer vor, die ein paar Meter auf der Großbaustelle arbeiten, die nach wie vor an unser Haus grenzt, weswegen wir hier auch des Öfteren kein Wasser haben, aber das nur am Rande.  Wir schieben jetzt Hab und Gut in den Fahrstuhl und  hoffen, dass er heute mal fährt, denn das tut er in letzter Zeit nicht mehr so gerne, der alte Kamerad. Manchmal macht er einfach lieber nichts, sondern hängt einfach nur herum. Ich stelle mich in solchen Momenten neben ihn und sage leise, damit es nicht alle im Treppenhaus hören: „Ich verstehe dich.“ Wir packen alles ins Auto und fahren aufs Land. Und hoffen, dass sich auch diese kleinen Wohnprobleme so wie die meisten im Leben lösen lassen: durch konzentriertes Ignorieren.

In Nordfriesland scheint die Sonne, haben wir gehört. Wenn wir wiederkommen, werden wir das Wohnzimmer leerräumen müssen, sagt die Herzdame, der Boden wird dann auch da renoviert.   Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss.


 

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