Ich  fahre nicht oft mit dem Auto, ich wohne  mitten in der Stadt und kann alles zu Fuß erreichen. Daher tanke ich auch nicht oft. Anscheinend tanke ich sogar noch seltener als ich dachte, denn als ich jetzt einmal wieder an einer Tankstelle hielt, habe ich nicht mehr gewusst, was ich tanken sollte. Neulich hieß das Zeug da noch Normal, Super oder Diesel, jetzt standen da fünf Bezeichnungen, die eher nach Waschmittel klangen. Kryptische Buchstaben mit englischen Blähwörtern verziert. „Was davon mag jetzt Super sein?“ fragte ich meine Frau und zeigte auf die Zauberwörter. „Keine Ahnung“, sagte sie, „ich frag mal.“ Der Mann in der Tankstelle wusste es auch nicht, er hatte keine Ahnung, was er da eigentlich verkaufte und musste erst seinen Kollegen fragen. Der konnte uns immerhin sagen, welche Bezeichnung dem alten Super entsprach. In etwa. Was ist das für ein ungeheuerlicher Blödsinn? Wenn das Bäckereien auch so machen würden, das normale Schnittbrötchen würde ab morgen „Super Wheat 2000+“ heißen, der Bienenstich „Bee power extra sweet“ und die Erdbeertorte womöglich „Strawberry Full Sugar Fun P77“. Würden Sie das einfach bestellen? Oder würden Sie den Bäcker freundlich fragen, ob er noch ganz bei Trost ist? Würden Sie womöglich einen Laden weitergehen, wo Sie noch Brötchen sagen dürften und auch eines bekämen? Doch, das würden Sie wahrscheinlich tun, nehme ich an. Aber vielleicht gehören Sie ja auch zu den Typen, die glauben, so ein Super Wheat 2000 würde sich bestimmt schneller verdauen lassen als das dumme alte Brötchen. Irgendetwas muss ja dran sein, am Fortschritt, was?

Ich habe vor lauter Verblüffung über die Bezeichnungen jedenfalls ganz vergessen, auf den Preis zu achten. Dann ist wohl doch alles richtig gelaufen.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


 

 

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