Die Söhne haben bald Geburtstag, die Söhne werden zwei und vier Jahre alt. Zwischen den Geburtstagen der Söhne liegen nur zwei Tage, also dachten wir uns, die feiern wir am besten gleich zusammen. Wer mag schon so kurz aufeinanderfolgend Kindergeburtstag spielen, das hält ja keiner aus. Dann lieber einmal in etwas größer und fertig. Mittlerweile wissen wir, dass wir ein wahnwitziges Monster-Event planen. Die Freundinnen und Freunde der Söhne haben alle kleine oder große Geschwister, die wie Pattex an ihnen kleben und daher auch mitkommen, es werden Heerscharen von Kindern kommen, von deren Eltern ganz zu schweigen. Allein die Gästeliste zusammenzustellen erforderte bereits mehr Verhandlungen als die Gründung der vereinten Nationen, aber nun sind die Söhne mit uns einer Meinung. Zumindest jetzt gerade, in dieser Minute. Für mehr kann ich nicht garantieren, es kann in Sekunden wieder Tränen geben. Es wird eine Piratenparty, in diesem Jahr sind alle Kindergeburtstage Piratenpartys, auch da gibt es Moden. Die kleinen Helden werden sämtlich schwer bewaffnet kommen, ihre Gespielinnen alle als schmuckbehangene Prinzessinnen, um etwas Glamour und schrille Hysterie in die dumpfe Räuberhöhle der rauen, raufsüchtigen Kerle zu bringen. Bereits im Vorwege wurde uns mitgeteilt, wer wen bei der Party womit verhauen wird, welche Prinzessin von wem entführt werden wird und nach welchen obskuren Gesichtspunkten der obligatorische Schatz und auch die Sitzplätze und der Kuchen verteilt werden. Es wird nicht einfach werden, aber wir werden es schaffen. Wir sind Eltern, wir können das.

Hat man eigentlich je versucht, komplexe Krisen wie etwa den Nahostkonflikt durch ein Team aus Eltern und Kindergärtnerinnen zu lösen? Einen Versuch wäre es allemal wert.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


 

 

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