Es ist Herbst geworden, daran kann es keine Zweifel mehr geben. Wenn es schon keinen Sommer gab, auf den Herbst ist Verlass, der ist wie ein guter Freund, der kommt immer wieder vorbei und verändert sich nicht. Der norddeutsche Mensch trägt endlich wieder Mode, die ihm auch tatsächlich steht und die nicht den Einwohnern von Südseeinseln vorbehalten sein sollte. Das ist sehr angenehm, die Jahreszeit hat also auch Vorteile. Es wird früher dunkel, die Menschen wenden sich trostreichen Eintopfrezepten zu und  rücken enger zusammen. Jedenfalls wenn sie jemanden haben, zu dem sie rücken können. Ich z.B., ich habe. Und wenn man so rückt und im Überschwang des goldenen Herbstlichtes scherzhaft anmerkt, dass man aus einem urmännlichen herbstlichen Gefühlsüberschwang heraus gerade in eine besondere Stimmung gerät und am liebsten röhrend durch die Wälder ziehen möchte, wie die brünftigen Hirsche auf weiter Flur – dann sollte man sehr gut aufpassen, dass der Nachwuchs gerade nicht zuhört. Denn Vierjährige verstehen zwar vieles, können aber mit der Kategorie „Das war ein Scherz“ noch nicht umgehen. Der Sohn diskutiert seit einer halben Stunde mit seinem besten Kumpel, was genau seinen Vater wohl röhrend in den Wald treibt, ob das alle Väter so machen und wie man sich das genau vorzustellen hat. Schon am Montagmorgen wird er das Thema sicherlich mit den nächstwichtigen Bezugspersonen erörtern, also den Kindergärtnerinnen und all seinen weiteren Spielkameraden aus der Gruppe. Ich freue mich jetzt schon auf die Blicke, wenn ich den Kleinen wieder abhole.

Wie schrieb Theodor Storm? „Schenk ein den Wein, den holden, wir wollen uns den grauen Herbst vergolden, ja vergolden.“  Ganz genau, manchmal geht es nur noch so. Prost, meine Herren.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


 

%d Bloggern gefällt das: