„Holunderbirnen“, so hieß ein Rezept, das ich neulich gefunden hatte. Das klang super, es klang nach Herbst und Heimat, ich bin gleich losgegangen, um mir die Zutaten zu kaufen. Im Laden gab es Litschidrink, Kokosmilch, Cranberrysirup und Passionsfruchtnektar, aber keinen Holundersaft. Holunder wächst hier an jeder Ecke, der Saft ist gesund wie eine halbe Apotheke und schmeckt sogar, aber den Saft kann man, wie man mir im Supermarkt erklärte, nur in Bioläden kaufen. Der sei dann doch zu regional und zu speziell.

Ich kann Bioläden nicht ausstehen. Aufgrund eines nicht erforschten Gesetzes bewegen sich Angestellte in Bioläden grundsätzlich langsamer als der Rest der Menschheit. Ich bin bekennender Hektiker, ich werde in Bioläden wahnsinnig. Ich versuchte es erst noch in zwei anderen Supermärkten, nein, es gab keinen Holundersaft. Es gab Eistee mit Papaya oder Granatapfel, na toll. Der globale Handel, schon klar, alles ist überall verfügbar, nur nicht mehr da, wo es hingehört. Ich schickte die Herzdame in den Bioladen, sie kaufte den Saft. Ich kochte Holunderbirnen, eine wirklich großartige Angelegenheit. Man sollte überhaupt viel mehr regionale Sachen zubereiten, das hört man immer wieder. Ich suchte mir gleich weitere Rezepte raus. Grünkohl mit Bregenwurst, sehr witzig, da muss ich im Laden gar nicht erst fragen, die Gesichter kann ich mir schon vorstellen, bei Bregenwurst.  Aber egal, ich habe einen Kollegen, der demnächst beruflich nach China muss. Da wird es natürlich Bregenwurst von hier geben, wir haben ja auch die  Litschis der Chinesen im Regal, alles tauscht sich jetzt aus. Ich lasse mir einfach Wurst aus einem Supermarkt in Hongkong mitbringen, das geht bestimmt schneller, als sie lange in Hamburg zu suchen. Doch, es großartig, so eine zusammengewachsene Welt. Alles ist viel einfacher geworden.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

 

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