Zum Liebesleben der Vierjährigen

Sohn I hat seine Freundin im Kindergarten schon ein Jahr lang, und er ist bemerkenswert treu. Er hat sie auch schon geküsst und das war „ganz gut“, sagt er, und man könne das bei Gelegenheit auch einmal wiederholen, doch, doch. Vielleicht. Mal sehen. Sein Kumpel hat jetzt neuerdings auch eine Freundin und sieht sich seitdem leider nicht mehr in der Lage, mit der Mutter zu kuscheln, wenn er an dieses Mädchen denkt. Das müsse sie verstehen, sagt er, das ginge nun einmal nicht. So reift das Thema Liebe heran, in verblüffender Geschwindigkeit sogar. Die beiden Jungs reden auf dem Heimweg vom Kindergarten kenntnisreich über ihre Angebeteten. Ein  weiterer Freund, der neben ihnen geht, schweigt dabei eisern vor sich hin.

Ich: „Na, und du? Hast du eigentlich auch eine Freundin?“

Kumpel von Sohn I: „Nö.“

Ich: „Gefällt dir denn da keine?“

Kumpel von Sohn I: „Nö alle nicht.“

Ich: „Willst du denn auch eine haben?“

Kumpel von Sohn I: „Ja, klar doch.“

Ich: „Und wie muss die sein, wenn dir sämtliche Mädchen da nicht gefallen?“

Kumpel von Sohn I: „Ich weiß gar nicht. Aber auf jeden Fall frischer. Die sind da doch schon alle nicht mehr ganz neu.“