Normal

Ich bringe die Söhne ins Bett. Ich sitze auf der Bettkante, ein Kind links von mir, ein Kind rechts von mir. Die Kinder sind weit über der Zeit und quengelig, ich möchte eigentlich dringend meine Ruhe haben. Sohn I möchte aber noch mit mir reden, und Sohn II möchte das auch, zumindest wenn er nicht gerade mit seiner Puppe spricht, der er sehr viel vom Tag erzählen muss. Sie reden also beide auf mich ein, zeitgleich und über verschiedene Themen. Die Sätze der beiden Jungs treffen sich in meinem Kopf und ergeben ein seltsames Ganzes, in dem es um Entchen, Tannenbäume, Rentiere, Bananen und Kuhställe geht. Und um Bärte, die man später mal haben kann. Und um Piraten, man darf um Gottes willen nie die Piraten vergessen. Ich werfe links und rechts gelegentlich ein paar Antworten ein, währenddessen lese ich in der Mitte Kempowski und beantworte nebenbei noch die Fragen der Herzdame, die gerade die Wohnung aufräumt und mich nach dem Verbleib von irgendwelchen Dingen fragt. Dabei streichel ich links ein Bein und rechts einen Bauch, während ich mit den Füssen die abgelegte Wäsche der Kinder vom Bettrand Richtung Tür schiebe, um sie später in die Waschmaschine zu werfen. Da in den endlosen Redeströmen beider Söhne regelmäßig das Wort „Lied“ vorkam, fange ich irgendwann noch an „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen.

Und Ihr glaubt es sei Multitasking, wenn Ihr Powerpoint und den Browser gleichzeitig aufhabt.