Sohn I hat eine kleine Rakete im Adventskalender gehabt, ein Modell des Space Shuttles. Etwas unschlüssig dreht er es in den Händen hin und her und weiß nicht recht. Er fragt mich, was das denn wohl sei? So etwas für den Weltraum vielleicht? „Ja“, sage ich, „das ist eine Rakete.“

Eine richtige Rakete. Eine, mit der man zum Mond fliegen kann, zum Mars, zum Jupiter oder weiter, denn im kindlichen Spiel ist ja alles egal. Mit dieser Rakete kommt man, warum nicht, auch zu neuen Welten, neuem Leben und neuen Zivilisationen. Man kann in Galaxien vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, gar keine Frage. Man hat vielleicht 400 Mann Besatzung dabei, darunter solche mit größeren Ohren als Sohn II, und man kommt hinter den fernen Pluto und immer noch weiter, in ganz ungeahnte Sonnensysteme. In Wahrheit flog das Ding bekanntlich zwar nur bis zur Raumstation im Orbit der Erde, aber welche Grenzen sollten die morgenfrische Phantasie meines vierjährigen Sohnes aufhalten? Was wäre anregender für seltsame Ideen als der Weltraum, in dem alles anders und seltsam sein kann? Ich lasse das Miniraumschiff über den Teppich gleiten, zur Startrampe, für die mal eben eine Fernsteuerung der Stereoanlage herhalten muss. Leise grollend starten die Motoren, senkrecht geht die Nase plötzlich nach oben und schneller und immer schneller werdend jagt die Maschine zur Zimmerdecke, die es gleich durchschlagen wird um auf Nimmerwiedersehen aufzubrechen in ein gänzlich anderes Morgen. Ich beschreibe, wie wir dem Raumschiff nachsehen wie einem Stern, einem Kometen, der in einem Moment am Himmel aufleuchtet und im nächsten schon wieder verschwindet. Gebannt sieht der Sohn mir zu, seine Augen folgen dem kleinen weißen Spielzeug, er nickt und er folgt der Bahn des Geschosses mit dem Finger. Es ist so einfach, die Phantasie von Kleinkindern ein wenig auf Trab zu bringen.

„Und“, frage ich, „was meinst du denn, wo die Reise jetzt hingeht? Wir könnten an Bord sein, wir beide! Was für Außerirdische wir wohl treffen werden? Auf welchen Planeten wir ankommen werden? Nichts ist unmöglich. Was meinst Du, wo wir landen wollen?“

„Beim Bäcker“, sagt Sohn I ernst, „ich habe Hunger.“

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