Ich fasse es noch einmal zusammen, damit wir es auch richtig verstanden haben. Wir nehmen also einen Monat und beschließen, dass alle Firmen darin nahezu zeitgleich riesige Feste mit allen Mitarbeitern veranstalten müssen, auch dann, wenn es sich um gigantische Konzerne handelt. Wir beschließen ferner, dass wir alle, wirklich alle Verwandten in diesem Monat mindestens einmal sehen müssen, besser aber gleich zweimal. Gleiches gilt für den gesamten Freundeskreis und natürlich auch für ausgewählte Bekannte. Das macht etwa 120 Termine für jeden, die wir locker gestreut auf 31 Tage verteilen. Damit wir uns zwischendurch nicht langweilen, entscheiden wir uns noch dazu, unfassbare Mengen an Geld auszugeben, um vielen Menschen viele Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen. Damit das geselliger ist, gehen wir am besten alle gleichzeitig einkaufen. Dabei betrinken wir uns vor den Geschäften planmäßig mit heißgemachter Billigplörre, die wir nicht anfassen würden, wenn wir noch bei Verstand wären. Damit aber garantiert keine Unterforderung aufkommt, nehmen wir uns ferner vor, an einem bestimmten Tag des Monats ein unglaublich kompliziertes Menü zu kochen, das nach Möglichkeit knapp oberhalb unserer Kochkünste angesiedelt ist und uns daher nervlich und fachlich überfordert. Dazu brauchen wir irrsinnig viele Zutaten, die wir am besten wieder alle am gleichen Tag kaufen gehen. Dabei pfeifen und singen wir unentwegt kindische Ohrwürmer und einen debilen Popsong, in dem es um ein Fest im Vorjahresmonat geht, beschweren uns aber über kleine Terroristen mit Blockflöten, die uns in den Fußgängerzonen dieselben Lieder vorspielen.

Und dann, nachdem wir dieses richtig komplizierte Menü endlich abgefeiert haben, dann beschließen wir, ein paar Tage später eine noch viel größere Party zu schmeißen. Währenddessen faseln wir dauernd was von „besinnlich“. Okay? Gut. Weitermachen.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

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