Es ist ein zeitlicher Zufall und hat eigentlich gar nichts mit dem Neuen Jahr zu tun. Es ist kein guter Vorsatz, keine hehre Absicht, eher ein reiner Vernunftbeschluss und eine medizinische Notwendigkeit.  Ich werde in diesem Jahr fast oder ganz vegetarisch leben, das ist bei gewissen Gelenkkrankheiten manchmal eben angeraten, es könnte zumindest helfen. Vieles spricht dafür. Da sitzt man dann plötzlich als leidenschaftlicher Normal-, Fett- und Kantinenesser etwas ratlos vor den Ernährungsempfehlungen der einschlägigen Foren und Expertenseiten und staunt. Jenes Lebensmittel weglassen, dieses meiden, viel mehr von dem. All die Dinge, die man als Jugendlicher auf den Einkaufszettel für eine wilde Party geschrieben hat, die schreibt man dann als etwas ausgereifterer Mensch seufzend auf eine Liste mit dem Titel „Nicht mehr“. Na super! Immerhin gibt es das Internet, man kann also alles, was man jetzt wissen muss, mal eben schnell nachschlagen ohne einen ganzen Stapel Bücher kaufen zu müssen oder Stunden in der Bibliothek zu verbringen. Einfach losgegoogelt und schon hat man hunderte Treffer zu dem, was künftig noch in den Topf kommen sollte, das ist heute wirklich sehr einfach. Ich sitze vor dem Computer und lese eine Seite nach der anderen. Manches klingt ganz vernünftig und einleuchtend, nachvollziehbar erklärt und biochemisch untermauert. Manches klingt etwas wirr, manches klingt seltsam und einige Seiten – also wirklich. Ich sitze, lese und staune. Das kann doch irgendwie nicht ernst gemeint sein? Das soll dann noch Ernährung sein? Die Ratschläge lesen sich wirklich mehr als befremdlich und ich brauche verblüffend lange, bis ich merke, dass ich auf einer Seite für Veterinärmedizin gelandet bin, Abteilung Erkrankungen am Bewegungsapparat des Hundes.

Vielleicht beginne ich die Umstellung der Ernährung doch erst einmal mit ein paar Leckerlis zur Motivation?

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung

 

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