In unserer Wohnung wird demnächst die etwas angemoderte Einbauküche im ansprechenden Design der Achtziger Jahre (Farbgebung in Sand, Schlamm- und Kackbraun) gegen eine moderne Variante getauscht. Das hört man als Mieter gern, da freut man sich und träumt von kommenden Zeiten, in denen die Küche womöglich sogar fotogen sein wird, da schmeckt dann alles sicherlich besser, wenn es endlich einen dekorativen Hintergrund hat. „Suchen Sein sich mal was Schönes aus“, hieß es seitens der Verwaltung und die Herzdame ist wahrscheinlich die einzige Frau weltweit, die auf so ein Angebot mit dem denkwürdigen Satz reagiert: „Wenn ich mir die Küchendetails hätte aussuchen wollen, dann wäre ich irgendwo Eigentümerin geworden!“

Ich finde die Auswahl nicht so problematisch, diese Aufgabe übernehme ich also, in der Küche kenne ich mich eh besser aus. Die Herzdame ist bei uns ja auch für den Autokauf zuständig, das hat hier alles seine Logik, das ziehen wir durch. Was ich aber tatsächlich schwierig finde, ist die unfassbare Menge von Zeug, die sich in den Küchenschränken befindet, und die natürlich für die Zeit des Umbaus irgendwo anders hin muss. Nirgendwo sind bei uns so viele Dinge versammelt wie in der Küche, nicht einmal das Kinderzimmer kommt damit, und das will etwas heißen. Wenn man all die Dinge erst einmal aus den Küchenschränken herausholt, dann füllen sie wahrscheinlich wochenlang die ganze restliche Wohnung aus. Das kennt sicherlich jeder von Bücherregalen, deren Inhalt sich entgegen aller physikalischen Gesetzgebung im Volumen verdoppelt, wenn man die Bücher herausnimmt. Bei Küchenschränken ist es noch schlimmer. Viel schlimmer. Seit ungefähr vier Wochen bin ich nun schon damit beschäftigt, nur den Vorratsschrank leer zu kochen, damit die Aktion etwas einfacher wird. Der bisher eingetretene Erfolg besteht darin, dass seine Tür jetzt allmählich normal schließt. Es bleibt eine Herkulesaufgabe, unter anderem wegen meines Nudelkaufknalls.

Altgediente Leser werden sich vielleicht erinnern, ich habe beim letzten Umzug bereits mit Grausen darüber geschrieben, welche Mengen von Suppennudeln sich in unserer damaligen Vorratskammer fanden. Es waren so viele, dass es mich wohl zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe qualifiziert hätte. Das ist ein paar Jahre her, und nun ist die Lage wieder ähnlich, Besserung ist bei diesem seltsamen Thema nicht eingetreten. Aber mittlerweile glaube ich verstanden zu haben, warum ich Suppennudeln kaufe, bis der Schrank voll ist. Es ist eine Berufskrankheit.
Und zwar scheint es mir so zu sein, dass ich mich an einen klassischen Bug in einer beliebigen Software angepasst habe, das ist vielleicht ganz naheliegend, wenn man jahrelang projektleitend mit der Entwicklung von Software, Applikationen und damit verbundener Prozesslogik zu tun hat, so etwas färbt wahrscheinlich unweigerlich irgendwann ab. Warum sollte man noch normal funktionieren, wenn es alles, womit man beruflich jeden Tag zu tun hat, auch nicht tut? Programme machen nun einmal Fehler. Ich habe mir also, genau wie ich es im Büro tun würde, ein Bild vom Prozess gemacht, der beim Suppennudelkauf und seinen Randbedingungen abläuft.

Die Situation ist so: Der Zeitplan dieser Familie hier ist seit vier Jahren von der einfachen Devise „Wir kommen zu nix“ geprägt, das gilt selbstverständlich auch für das Essen. Ich koche prinzipiell gern und habe dauernd vor, großartige Dinge auf den Tisch zu bringen, scheitere aber meist am Timing. Wenn ich nun ein Essen im Sinn habe, für das ich z.B. Suppennudeln brauche, dann kaufe ich welche, das ist soweit noch im grünen Bereich und vollkommen in Ordnung, bis dahin ein sauberes Programm. Wenn ich zu dem geplanten Essen aber nicht komme, dann kaufe ich am nächsten Tag wieder Suppennudeln. Der Task „Suppennudeln kaufen“ wird nämlich nur gelöscht, wenn ich sie zubereite, nicht aber, wenn ich sie kaufe, denn dann ist der Prozess ja noch nicht fertig. Nur der fertige Eintopf löscht die Aufgabe des Kaufs. Es ist eine Suppennudelendlosschleife, ein durchgeknalltes Programmteilchen, das man einfach mal abklemmen muss, keine große Sache. So etwas erkennt ein alter Hase wie ich doch sofort, da muss ich gar nicht erst mit dem Programmierer verhandeln. Solche Fehler werden normalerweise in Minuten behoben.

Ich weiß nur noch nicht recht, bei welchem Support ich mich jetzt deswegen melden muss.


%d Bloggern gefällt das: