Die Söhne haben Besuch, ein Mädchen wühlt sich mit prüfend durch ihr Spielzeug, bevor es schmollend beschließt, sich zu langweilen. Gelangweilte Kleininder sind wirklich das Letzte, was man an einem Winterregensonntag um sich haben möchte, ich bin höchst alarmiert. Das Mädchen guckt sich um und sieht den Balkon vor dem Wohnzimmer, den ausgemusterten Tannenbaum darauf, das Sandspielzeug in Warteposition, die weggeklappten Sonnenliegen und die toten Topfpflanzen und fragt: „Dürfen wir da draußen spielen?“

Die Söhne schließen sich sofort quengelnd an, während es draußen dunkler wird, der Regen dichter wird und ein paar Schneeflocken darin zu erkennen sind. Der Wind frischt auf, die Nässe kommt in Schwaden quer herangeweht, ein furchtbares Wetter. Wir stecken die Kinder in Wintersachen, ziehen Regensachen drüber und lassen sie auf den Balkon, der gerade vom Regen förmlich geflutet wird. Auf den Balkon geht man nicht im Winter, also ist es großartig, auf den Balkon zu gehen. Logisch. Die Kinder spielen „Aufräumen“, danach spielen sie „Saubermachen“ und dann auch noch „Gärtnern“. Sie spielen mit verrotteten Blumentöpfen, klammen Fingern und besonderer Hingabe. Ich sitze mit heißem Tee gemütlich auf dem Sofa, lege die Beine hoch und sehe zu. Das ist die beste Spielidee, auf die der Nachwuchs jemals gekommen ist. „Noch zehn Minuten“, sage ich, „dann verbieten wir es.“ „Ja“, sagt die Herzdame, „ganz genau. Und im Laufe der Woche, wenn sie oft genug gefragt haben“, geben wir jeden Tag etwas nach und lassen sie ein paar Minuten wieder raus.“

Während wir die wild protestierenden Kinder reinholen, freue ich mich auf das nächste Wochenende. Wir werden den Kindern eine ganze Stunde Balkon erlauben! Und sie werden sehr dankbar sein und natürlich nach zwei Stunden fragen. Zwei Stunden Ruhe und Frieden, zwei Stunden Sofa und Lektüre.

Es kann so einfach sein.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

%d Bloggern gefällt das: