Mit viereinhalb Jahren hatte Sohn I endlich genug Haare zusammen, so dass ein Friseurbesuch tatsächlich angemessen erschien. Ich hatte noch keine Erfahrung mit Kleinkindern beim Friseur, also fragte ich einfach den nächstbesten Vater auf dem Spielplatz und ging dahin, wo der auch gewesen war. Ein junger Mann hatte Zeit für uns, wirkte aber seltsam überrumpelt und schien sich nicht recht wohl bei der Sache zu fühlen. Ich verstand zunächst nicht, warum. Er guckte dauernd nervös zur Tür, während er die Löckchen des Kindes schnitt, und er wurde entschieden fahrig, als ich anfing, auf meinem Handy etwas zu tippen. Die Frisur bekam er trotzdem gut hin. Das Kind war zufrieden, ich war zufrieden – immer schön, wenn jemand sein Handwerk versteht. Ich zahlte. „Aber bitte“, sagte der junge Mann seltsam kleinlaut, „empfehlen Sie mich nicht noch weiter!“

Es gibt, erfuhr ich dann in einem längeren Gespräch, in seinem Beruf ein gewisses Risiko, unter Eltern von Kleinkindern weiterempfohlen zu werden. Woraufhin dann schlagartig sehr viele Eltern mit sehr vielen struppigen Zwergen kommen –  und nicht alle halten fromm still. Genau genommen tun die meisten das nicht. Sie zappeln, toben und schreien und werden von keifenden Müttern und brüllenden Vätern mit Schraubstockhänden an die Stühle gepresst. Köpfe werden energisch zwischen Arme geklemmt, damit Haarkunst überhaupt entstehen kann. So eine Weiterempfehlung als Kinderfriseur kann einen friedlichen Salon schnell in eine überaus turbulente Problemzone verwandeln.

„Ich kenne wirklich verdammt viele Eltern“, sage ich, „aber ich kann natürlich schweigen. Und meine Frau braucht übrigens auch einen Termin.“

Wir haben jetzt sehr, sehr attraktive Familiensonderkonditionen bei diesem Friseur. Ich weiß gar nicht, warum alle immer sagen, das Leben mit Kindern sei so teuer.


 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung

 

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