Das war dann auch für mich eine Premiere, dass ich bei einer Buchpremiere war. Nett, so etwas. Wenn es auch sowohl mich als auch Georg Cadeggianini verblüffte, dass ich beim Reingehen in die Kneipe die Türklinke abgerissen habe und damit in der Hand den Raum betrat. Aber egal, ein wenig Schwund ist immer und ich bin ja bekanntermaßen äußerst muskulös, das sieht man mir gleich auf den ersten Blick an. Ich habe danach souverän ignoriert, dass das Kneipenpersonal mehrfach mit dem Finger auf mich zeigte und dabei irgendwas flüsterte. In dem Laden, in dem die Premierenlesung stattfand, hat mir vor ein paar Jahren eine Freundin erzählt, dass sie schwanger war, und das war damals die erste Kindernachricht überhaupt im näheren Freundeskreis. Die Herzdame und ich sahen uns an, nahmen es sportlich und der Rest ist Geschichte. Sehr passend, dass dort jetzt die Lesung eines sechsfachen Vaters stattfand.

Sechsfach. Darüber muss man ein wenig nachdenken, wenn man nur ein bis zwei Kinder hat, wie fast alle Eltern, die ich kenne. Drei ist in meinen Kreisen schon enorm viel, mit vieren kenne ich tatsächlich nur ein Elternpaar, mit fünfen niemanden mehr, sechs ist reines Märchenland. Der Buchtitel „Aus Liebe zum Wahnsinn“ leuchtet unmittelbar ein, wenn man sich sechs Kinder auch nur einen Augenblick realistisch vorzustellen versucht. Es ist ein lohnender Versuch, denn die zwei Kinder im eigenen Haushalt wirken danach sofort sehr lieb, klein und überschaubar, selbst dann, wenn sie gerade das Kinderzimmer, angrenzende Bereiche und sich selbst zerlegen. Allein der Gedanke, es würden ihnen noch vier Kumpels dabei helfen – meine Güte. Georg Cadeggianini hat sechs Kinder, eine Frau, deren Großartigkeit man ihm nach der Lektüre sofort glaubt – und dazu noch Lust an Lebensentwürfen, die nicht gerade bundesdeutschem Standard entsprechen. Ich gehöre bekanntlich zu den Leuten, die freiwillig nicht einmal die Wohnung, nur ungern den Stadtteil und nur unter Zwang die Stadt verlassen – Georg Cadeggianini hat aber mit wachsender Kinderzahl in Florenz, Edinburgh und Tel Aviv gelebt und hält sich jetzt, wahrscheinlich weil sonst alles zu einfach wäre, abwechselnd in München und Hamburg auf.

Das ist großartig für mich, denn ich muss so etwas nur lesen und fühle mich sofort umso wohler zuhause. Und ich lese es sogar gerne, ich mag das sehr, wenn mir Menschen von gänzlich anderen Lebensentwürfen erzählen und ich tatsächlich nicht weiß, ob sie mutiger sind als ich, wahnsinniger, einfach nur anders oder, nun ja, etwas irre. Sympathisch irre. Wie man noch während der Gründung einer achtköpfigen Familie drei Auslandsaufenthalte direkt nacheinander bewerkstelligt und noch ein Studium beendet – alles nachzulesen in: “Aus Liebe zum Wahnsinn: Mit sechs Kindern in die Welt”.

Lesen Sie selbst – und dann machen Sie morgen einfach ein wenig mehr von allem. Es wird Ihnen so vorkommen, als wäre das möglich.

Das Besondere am ganz gewöhnlichen Alltag mit sechs Kindern, wenn es so etwas denn überhaupt gibt, kommt mir im Buch ein wenig zu kurz, da das Leben in fremden Städten natürlich auch beschrieben sein will – ich würde mir dafür eine Fortsetzung wünschen, ich finde das wirklich interessant, wie man das bewältigt. Und ich werde gewiss nicht der Einzige sein.

Ich verlose ein Exemplar des Buches – bei Interesse bitte kommentieren. Ich lese die Namen der Kommentatoren dann übermorgen (Mittwoch) am Abend Sohn II vor, der gnadenlos nach gänzlich unberechenbarem Geschmack entscheiden wird, wer gewinnt. Isabel Bogdan ist von der Verlosung ausgeschlossen, da Sohn II für sie gerade alles tun würde. Es soll ja fair bleiben.

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