Geschmacklich habe ich mit der neuen Wandfarbe „Lagune“ in der Küche jetzt doch endgültig abgeschlossen. Wer würde auch einem energischen Zweieinhalbjährigen widersprechen wollen, der, eine Hand beschwörend an die blaue Wand gelegt, die andere Hand mit gerecktem Zeigefinger mahnend erhoben, vor einem steht und mit steiler Zornesfalte auf der Stirn dem ewig nörgelnden und spottenden Vater ein bemerkenswert lautes „Die Wand ist schön und Du bist plöd!“ entgegenschleudert. Die Wand, wir wollen das hier öffentlich festhalten, ist also schön. Nun gut. Und das Wort „plöd“ hat zweifellos reelle Chancen, mein neues Lieblingswort zu werden. Sohn II benutzt es beispielsweise auch gerne, wenn er morgens aufwacht und noch nicht ganz einverstanden mit der allzu wachen Familie um ihn herum ist, er zieht sich dann seine Decke über den Kopf und verkündet darunter dumpf: „Das ist doch alles total plöd, das alles.“ Die Versuchung, sich zu ihm zu legen und ihm nachzusprechen, sie ist manchmal geradezu unmenschlich groß.

Die neue Küche wurde pünktlich geliefert und geradezu im Handumdrehen perfekt aufgebaut, wir suchen immer noch den Fehler. Ich habe die strahlend schöne Küche ob ihrer hellenischen Farbanmutung dann tatsächlich mit einem aufwändigen griechischen Essen eingeweiht, dass ich übrigens diesem faszinierenden Blog entnommen habe, es lohnt auf jeden Fall den einen oder anderen Blick. Die Wand so lagunenblau, das Essen so tomatenrot, und während ich noch in der Pfanne rührte, wurde die Herzdame allmählich immer grasiggrüner. Wenn man erst einmal mit Farbspielereien anfängt, kommt man offensichtlich gar nicht mehr heraus. Das zarte Grün auf ihrem Gesicht lag allerdings nicht an meinen eher bescheidenen Kochkünsten und auch nicht an den Farbreflexionen der Lagunenwand im Dämmer des goldenen Nachmittags, das kam viel mehr von einem gerade ausbrechenden Magen-Darm-Virus, durch den sich die Herzdame das restliche Wochenende über dann deutlich mehr mit dem Badezimmer als mit der Küche beschäftigt hat – allerdings ohne dabei dort die Wände anzumalen, ich habe das gelegentlich überprüft.

Mein wie gesagt recht aufwändiges Lagunenküchenstartmenü fand also ganz ohne die Herzdame statt, aber es waren ja noch genug Personen übrig, wozu hat man Familie. Wenn man einmal davon absieht, dass Sohn I das Wochenende komplett bei seiner Freundin verbracht und Sohn II sich direkt vor dem Essen grob geschätzt 750 Gramm Ananas einverleibt hat, weswegen er kein rechtes Interesse mehr an einer warmen Mahlzeit aufbringen konnte. Egal, ich habe mich also feierlich allein an den Esstisch gesetzt, ein fröhliches „Dennoch! Das ist immerhin eine Familienfeierlichkeit!“ auf den Lippen. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

„Familie ist plöd“, konterte Sohn II vom Sofa aus, wo er missmutig lag und sich den übervollen Bauch rieb. Es ist, wie gesagt, nicht immer ganz einfach, ihm zu widersprechen.


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