Seit man in Büros, Restaurants und den meisten Privaträumen nicht mehr rauchen darf, kann man sehr seltsame Verschiebungen in der Gesundheit der Bevölkerung beobachten. Die Raucher, die jetzt natürlich bei jedem Wetter suchtgetrieben vor den Türen stehen und dort ihrem Laster nachgehen, auch wenn gerade ein Schneesturm über sie hinwegfegt, die Eisheiligen ihnen den Boden unter den Füßen gefrieren lassen oder Starkregen ihre Zigaretten löscht, die Raucher sind nach ein paar norddeutschen Jahreszeitenzyklen vor unseren Türen abgehärtet wie sonst nur noch Gebirgsjäger, Extremsportler und skandinavische Pfadfinder. Keine Kälte kann sie mehr erschüttern, keine Nässe, kein Wind.

Die Nichtraucher aber, die nun in angenehmer Luft drinnen bleiben können, auf den nicht mehr stinkenden Sofas und in immer duftender Kleidung, die Nichtraucher haben nun keinen Grund mehr, überhaupt noch vor die Türen zu gehen, wenn das Wetter nicht gerade optimal ist. Leider ist das Wetter hier selten optimal. Früher mussten Nichtraucher noch ziemlich oft rausgehen, um überhaupt einmal atmen zu können, sie gingen dauernd um den Block oder quer durch die Landschaft, bei jedem Wetter, gierig atmend, wenn die Luft endlich irgendwo rauchfrei war. Heute aber sehen sie die Regentropfen am Fenster, kuscheln sich wärmer ein und bleiben wohlig seufzend im Sessel sitzen. Und wenn sie dann doch einmal rausgehen – zack, sind sie krank, vom ersten kalten Luftzug umgeworfen, grippal niedergestreckt, denn sie können natürlich nichts mehr ab, verwöhnt wie sie sind.

Sie schleppen sich hustend, schniefend und keuchend zum Arzt, vor dessen Tür muntere Raucher stehen, in nassen Jacken, aber mit rosigen Wangen.

Vielleicht sollten wir, um diese fatale Entwicklung wieder zu korrigieren, für die nächsten 5 Jahre einfach das Rauchen an frischer Luft kategorisch verbieten?

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

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