Die Reaktionen reichen von Verwirrung bis zu heller Empörung. Manche schütteln nur den Kopf und sehen mich an, als sei ich irre geworden, manche gucken misstrauisch, als hätte ich gesagt, ich würde täglich Insekten frühstücken. Manche glauben mir einfach nicht und warten ab, wann ich endlich zugebe, nur einen Scherz gemacht zu haben. Das alles sind sehr seltsame Reaktionen.

Dabei habe ich nur gesagt, dass mich Fußball nicht  interessiert. Und zwar nicht im Sinne von: Gar nicht. Null. Daraus ergibt sich logisch, dass ich mir Fußball nicht ansehe, weder zuhause noch unterwegs auf dem Handy oder auf dem iPad. Ich viewe auch nicht  public, wie man so schön sagt. Ich lese später nicht nach, wer wie gespielt hat, ich kenne die Namen der Spieler nicht und weiß generell eher nicht, worum es gerade geht. Wie es eben ist, wenn man sich nicht interessiert. Ich weiß ja auch nicht, wie die letzten Minigolfweltmeisterschaften ausgingen, oder die im Forellenangeln. Ich ignoriere die Zeitungsmeldungen und die Sportschauen, ich schweige höflich in Gesprächen über die Spiele. Ich schweige ziemlich viel, zurzeit.

Ich glaube aber, ich bin trotz meines Desinteresses am Fußball ein ziemlich normaler Mann, geistig zurechnungsfähig und alles, es sind zumindest keine besonderen Auffälligkeiten bekannt.

Desinteresse am Fußball ist, nach allem was die Wissenschaft bisher weiß, überraschender Weise auch gar nicht krankhaft. Und ich hege außerdem keine Absichten, andere zu missionieren, meinetwegen kann jeder so viel Fußball gucken, wie er will. Mir doch egal. Insgesamt geht von Leuten wie mir also gar keine Gefahr aus, wir richten keinen Schaden an.

Sie könnten also aufhören, verstört zu reagieren, wenn Menschen wie ich sich freimütig zu ihrer seltsamen Veranlagung bekennen. Wir wollen gar nicht bewusst im Abseits stehen.

Was auch immer das ist.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.



 

 

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