Ich gehe zur Kita, um die Söhne abzuholen. Ich bin ein wenig zu früh und gehe noch am Spielplatz vorbei, wo ein paar andere Kita-Kinder herumtoben. Auf der Mauer davor sitzen zwei kleine Jungs aus der Vorschule die ich flüchtig kenne, sie baumeln mit den Beinen und sehen schwer gelangweilt aus.

„Na Jungs, was macht ihr so?“

Sie sehen zu mir hoch, ihre Haare wehen wild im Wind, es kommt gerade eine kleine Sturmböe über den Platz und wirbelt Sand und Blätter auf. Die beiden greifen hastig nach der Mauer, suchen sicheren Halt, als könnten sie heruntergeweht werden. Es sind noch ziemlich kleine Jungs und der Wind fühlt sich an, als würde er demnächst seinen großen Bruder holen.

Es ist ein seltsamer Tag in der Stadt. In der Sonne ist es drückend heiß, und wo es windstill ist, könnte man sich schon nach Sekunden zu sommerlichen Gefühlen durchringen. Aber wenn man in den Wind geht, der seit Stunden durch die Straßen kapriolt wie ein ausgelassenes Kindergartenkind und einen ganz bestimmt irgendwann erwischt,  und wenn sich dann noch gerade eine Wolke vor die Sonne schiebt, dann ist es schlagartig kühl, sogar ziemlich kühl. Alle paar Meter bekommt man ein paar Tropfen Regen ab, aber wenn man schnell genug geht, dann kann man der einzelnen Wolke noch entkommen, die einen da gerade ein wenig nass machen möchte.  Manchmal rotten sich die Wolken irgendwo über der Stadt auch zusammen, spielen Gewitterfront und verbreiten beeindruckende Dunkelheit, dann zerstreuen sie sich schnell, als sei nichts gewesen. Ein paar Schritte weiter scheint die Sonne schon wieder. Manche Passanten tragen Regenjacken und Schirme im Anschlag, manche tragen nur kurze Hosen und T-Shirts, manche Anzug und Mantel, manche haben das Jackett über die Schulter geworfen und die Hemdsärmel hochgekrempelt. Manche sehen aus, als seien sie gerade in einem Schauer richtig nass geworden, manche haben ein Eis in der Hand, es geht alles durcheinander. Komisches Wetter, sagt eine der Erzieherinnen, die an mir vorbeigeht, ganz komisch.

„Na Jungs, was macht ihr so?“

Der eine sagt lustlos: „Wir warten auf den Sommer. Oder auf den Herbst. Oder was da eben kommt.“

Der Satz beschreibt den bisher etwas speziellen Hamburger Sommer eigentlich vollkommen ausreichend.



 

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