Meine letzten Fotos wurden hier zwar mit schmeichelhaften Kommentaren bedacht, aber mich hat doch immer schon gewurmt, dass sie mit einer etwas besseren Kamera vielleicht noch besser geworden wären. Ein wenig mehr Details, ein wenig mehr Schärfe, ein wenig mehr Leistung bei weniger Licht – der Gedanke ließ mich schon seit mehreren Jahren nicht los. Ich habe immer nur mit sogenannten Bridge-Kameras fotografiert, mit den guten von Fuji, die ich nach wie vor jederzeit empfehlen würde, besonders die S100FS. Ich habe damit tolle Ergebnisse erzielt, zumindest für meinen Laienblick, aber es blieb immer dieser Gedanke, dass doch noch etwas mehr gehen könnte.

Ich habe also vor einiger Zeit angefangen, bei bekannten Versandhändlern, Fotofirmen und Fachzeitschriften Kamerabesprechungen aus dem Spiegelreflexsegment nachzulesen. Testberichte, Erfahrungen, Einschätzungen, man kann verblüffend viele Stunden, Tage, Wochen damit zubringen. Und wenn man endlich meint, alles, wirklich alles zu einer Kamera gelesen zu haben und sie exakt gegenüber ihren direkten Konkurrenten einschätzen zu können, dann löscht man feierlich alle Favoriten mit den Links zu den Magazinen, macht den Lieblingsonlineshop auf, um nach all den Mühen final zuzuschlagen und stellt dann entsetzt noch während des Bestellvorgangs fest, dass es für die Kamera mittlerweile ein Nachfolgemodell gibt. Mit gewissen Vor- und Nachteilen. Und die liest man natürlich auch erst einmal nach. Und dann liest man sicherheitshalber noch, was die anderen Marken in Kürze auf den Markt bringen werden. Im Grunde kann man sich als interessierter Anfänger auf diese Art mühelos bis weit in die Rente hinein prima beschäftigen, also bis zu der Phase, in der die Menschen meiner Generation mit einiger Sicherheit gar keine Mittel mehr haben werden, um überhaupt noch an Kamerakauf zu denken.

Währenddessen kauft man dem Nachwuchs ein Spielzeug nach dem anderen, sieht zu, wie sich die Kleinen dauernd freudig mit neuen Dingen beschäftigen und wird langsam von Neid zerfressen. Ein guter Grund, sich noch rechtzeitig vor der Seniorentellerlebensphase einen Ruck zu geben und doch einmal zuzugreifen.

Mit neuem Mut und wilder Entschlossenheit wendet man sich dem Thema wieder zu, endlich bereit, irgendetwas zu kaufen, ab einem gewissen Preis wird es wohl besser sein als das, was im Hause ist. Wird es doch? Oder vielleicht nicht? Und wieder bleibt man an Rezensionen hängen. In hellen Momenten fragt man sich, wieso Menschen Fotos anscheinend unter dem Mikroskop vergrößern und, wenn sie ein schiefes Pixelchen finden, die ganze Kamera als Schrott deklarieren. Wieso Menschen Farbverlaufsstörungen, die kein Normalsterblicher jemals bemerkt hätte, als technischen Mangel definieren und darüber Besinnungsaufsätze schreiben. Wieso dauernd darauf hingewiesen wird, dass man Bilder mit dieser oder jeder Kamera vielleicht aus einem Flugzeug heraus als etwas verrauscht wahrnehmen könnte, wenn man sie jemals in Fußballfeldgröße ausdrücken würde. Kamerabewerter sind ähnlich gestört wie die Hotelbewerter in den diversen Urlaubsportalen, die ein feines Hotel als „ungenügend“ einstufen, weil im Eingangsbereich „eine einzelne Zigarettenkippe“ auf dem Boden lag, das Beispiel ist erstens aus dem echten Fundus dort gegriffen und mir zweitens unvergesslich. Aber egal, man liest und liest weiter, die Jahreszeiten kommen und gehen, die Preise steigen und fallen, und langsam spürt man die nagende Angst, irgendwann so sprechen zu müssen, wie Amazon-Rezensenten schreiben. Der blanke Horror.

Ich habe dann also gemacht, was in solchen Situationen der einzig vernünftige Ausweg ist, ich habe mich vollkommen offline entschieden. Ich war beim Laden um die Ecke, habe mir von einem netten Verkäufer dort etwas empfehlen lassen, und zwar von der Marke, die die Mehrheit der mir sympathischen Fotografen aus dem Bekanntenkreis benutzt, ein vollkommen überzeugendes Kriterium. Ich hab ohne weitere Nachfrage „packen Sie es ein“ gesagt und zack. Fertig. Geht auch. Am Ende hat offline doch noch seinen Reiz? Man wagt gar nicht, darüber nachzudenken. Sonst müsste man doch wieder öfter in Geschäfte gehen, was für eine unangenehme Vorstellung.

Amüsant bleiben mir auf jeden Fall diese kulthaften Stammes-Unterschiede zwischen den Anhängern der großen Marken im Fotografiemarkt. Dagegen sind Mercedes- und BMW-Fahrer ja geradezu als verträglich zu bezeichnen. Lächerlich, es ist wirklich lächerlich. Ich werde mich auch nach dem Kauf von heute jedenfalls standhaft weigern, mich von einem dieser Lager vereinnahmen zu lassen, soweit darf es nicht kommen.

Aber wenn künftig in Fragebogen meine Religionszugehörigkeit abgefragt wird, dann muss ich dort wohl „Nikon“ eintragen, wenn ich es recht verstanden habe.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit dem Kaufen von Kameras ist es übrigens dummerweise so, dass es jetzt etwa sieben Wochen dauerhaft regnen wird und ich in den wenigen Stunden, die als halbwegs trocken zu bezeichnen sein werden, komplett motivblind durch die Gegend rennen werde. Tut mir sehr leid für das Wetter, aber ich kann es jetzt nicht mehr ändern.

Und falls hier wochenlang keine Bilder mehr erscheinen werden – die Ursache wäre jetzt geklärt.

Bei dem bewundernswerten Hamburger Fotografen Stefan Groenveld, Spezialist für Sankt-Pauli-Spieler und Trottellummen (u.a.), findet man einen sehr schönen Text zum Thema Kamerakauf – wenn Sie so etwas auch im Sinn haben, lesen Sie mal kurz nach. Es lohnt sich.

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