Und dann ist das Erstaunliche geschehen und die Herzdame hat tatsächlich mit mir im Zelt übernachtet. Mit beiden Söhnen. Und es hat nicht geregnet, und es war nicht zu kalt und auch nicht zu warm. Und die Unterlagen waren flauschig und die Kinder schliefen ruhig, viel ruhiger als in den Betten. Und kein Nachtvogel störte und kein wildes Tier. Keine Insekten waren im Zelt, keine Steinchen unter dem Boden. Und am Morgen gab es einen winzigen Schauer, fast nur so, als hätte jemand kurz einen Rasensprenger Richtung Zelt gehalten. Und mit diesem Schauerchen gab das Zelt auf und ließ alles Wasser durch, die bedingungslose Kapitulation des Campingzubehörs.

Man muss auch mit Niederlagen leben können. Oftmals bringen sie einen auch weiter und führen zu ganz neuen Erfahrungen. Die Herzdame und ich haben zum Beispiel überrascht festgestellt, dass wir gut, sehr, sehr gut sogar darin sind, gemeinsam ein Zelt abzubauen. Hand in Hand, pure Harmonie, emsige Effizienz und zielgerichtetes Vorgehen. Wir haben uns mindestens zehn Minuten bestens verstanden. Und dann habe ich ihr natürlich zugestanden, dass das mit dem Zelt vielleicht auf Dauer doch etwas heikel ist, wenn man an künftige Familienurlaube denkt. Ich habe nämlich grundsätzlich kein Problem damit, auch einmal zurückzutreten, das muss in einer guten Ehe auch so sein. Gönnen zu können, das ist ein elementarer Bestandteil der gelungenen Beziehung.

Ich habe das sorgsam gefaltete Zelt und den ganzen Zubehörkrempel fein säuberlich im Auto verstaut. Dann habe ich mich dezent ins Haus zurückgezogen. Der Herzdame habe ich gesagt, ich müsste nun erst einmal ein wenig fleißig sein, sie könne aber ruhig mit den Söhnen im Garten bleiben, der mittlerweile heiter von der Sonne beschienen wurde. Die Herzdame, noch ganz enthusiasmiert vom Ende des Campingterrors, nickte lächelnd. Dann habe ich mich an Omas Schreibtisch gesetzt und das Notebook angemacht.

Denn auch in das Thema Wohnmobil muss man sich ja erst einmal in Ruhe einarbeiten.


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