Es gibt vieles, was man auch mit fortgeschrittener Lebenserfahrung nicht zu lernen vermag, obwohl es doch recht einfach wirkt. Etwa Hot-Dogs zu essen, ohne zu kleckern. Oder entspannt Urlaub zu Hause zu machen. „Urlaub zu Hause“, das ist ein interessantes Konzept, aber es geht einfach nicht auf, man kann es drehen und wenden wie es will. Ich habe nach einem allerletzten Versuch in dieser Woche jetzt endgültig alle Hoffnung fahren lassen, es jemals hinzubekommen.

Obwohl zunächst einiges dafür spricht. Es kostet ziemlich wenig, man muss sich nicht über die Küche ärgern, zumindest nicht mehr als sonst, man hat in der Regel ausgezeichnete Betten und man weiß sogar ohne lange Suchaktionen, wo die besten Spielplätze für die Kinder in der Nähe zu finden sind. Man weiß auch schon, wo die besten Leseplätze in den Parks sind, wo die guten Bars und wo es den wirklich guten Latte Macchiato gibt – alles geradezu ideal, um eine Woche in schönster Ruhe zu verbringen.

Ich: „Wir lassen uns in dieser Woche einfach mal treiben, ja?“
Herzdame: „Ja, super, so machen wir das. Ich sag Dir mal das Programm für morgen, okay?“

Denn man hat ja Zeit. Und weil man Zeit hat, kann man auch etwas machen. Man kann sich um die Vorhaben kümmern, zu denen man sonst nicht kommt, man kann zum Beispiel erstaunlich unerforschte Ecken der Wohnung aufräumen. Dauert ja nicht lange, es sei denn, man kommt dabei auf die Idee, die Möbel etwas umzustellen. Nur probeweise, nur ganz schnell.
Man kann Freunde treffen, die man Jahre nicht gesehen hat. Jetzt aber, endlich, endlich, jetzt hat man Zeit. So viel Zeit! Man kann die Freunde sogar zu sich einladen, das spart den Weg, wie toll ist das denn. Allerdings muss man dann auch für sie kochen, wofür man wiederum einkaufen muss. Und Geschenke für die Freunde sind auch überfällig, die muss man wohl noch kaufen gehen.

Und überhaupt muss man nebenbei ein paar Dinge erledigen, schnell zwischendurch, diese aufgehobenen Reste auf der To-Do-Liste, die man seit sechs Monaten stoisch vor sich hergeschoben hat. Jeden Tag war es nur ein routinierter Mausklick: „Mache ich irgendwann mal.“ Aber irgendwann, das ist natürlich jetzt, denn jetzt habe ich Zeit. Massig Zeit.

Arztbesuche etwa, die kann man elegant in diese Tage einsortieren, da stören sie die Büroarbeit nicht und auch sonst nichts. Endlich kann man entspannt im Wartezimmer sitzen, ohne auf die Uhr zu sehen, weil irgendein Meeting in Kürze beginnt. Vorsorge, Vorbeuge, Vor-Irgendwas, immer her damit, mache ich jetzt alles. Und die Kinder auch, es passt so super.

Und weil man in der Stadt ist und weil man Zeit hat, muss man auch überall hingehen, wo man eingeladen ist, das versteht sich von selbst und das ist auch toll, davon hat man nämlich seit Wochen oder Monaten geträumt, endlich mal entspannt alles zusagen zu können. Toll, noch ein Event. Ja, wir kommen. Hey, wir haben Zeit.
Wir sind nicht bei Trost. Wir haben in dieser Woche den vollsten Terminkalender des Jahres, sind schwer genervt und warten auf den Freitag. Der Freitag wird toll, da steht nämlich nichts zwischen 13:00 und 15: 30 auf der Liste, da ist vollkommen unverplantes Niemandsland, da ist eine organisatorische Nebelfront. Da werden wir uns einmal entspannt treiben lassen.

Einfach so.
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